Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne)  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Fabian Sommer/dpa)

Autogipfel in Berlin Kretschmann sorgt sich um Automobilstandort Baden-Württemberg

In Berlin der Autogipfel, hier ein nachdenklicher Ministerpräsident. "Ich habe keine Lust, dass wir das Ruhrgebiet der Zukunft werden", so Kretschmann gegenüber dem SWR.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte eingeladen und die wichtigen Leute kamen. Vertreter aus Industrie und Politik diskutieren seit Montag beim sogenannten Autogipfel in Berlin darüber, wohin die Reise des fahrbaren Untersatzes gehen soll. Klar ist: Schädliche Klimagase müssen reduziert werden, auch im Verkehr. Gleichzeitig sollen möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Kretschmann in Berlin nicht dabei

Nicht dabei beim "Autogipfel" der Bundesregierung: Winfried Kretschmann (Grüne). Eine Nichtberücksichtigung, die der baden-würtembergische Ministerpräsident im Gespräch mit dem SWR schwer verstehen kann. "Ich finde das nicht gut", so Kretschmann. Er habe mit seinen Amtskollegen Stephan Weil (Niedersachsen, SPD) und Markus Söder aus Bayern (CSU) eine "gemeinsame, parteiübergreifende Initiative" gegründet. Man habe große Erfahrung in Fragen des Transformationsprozesses in der Automobilindustrie.

Kretschmann betonte, dass Automobilstandorte und Bundesregierung nur zusammen einen konstruktiven Prozess auf den Weg bringen könnten. "Es geht um unseren Wohlstand, es geht um Arbeitsplätze, aber auch um Klimaschutz", so der Grünen-Politiker.

Quo vadis, Baden-Württemberg?

Der Ministerpräsident macht sich Gedanken um Wohlstand und Zukunft des Bundeslandes Baden-Württemberg. Man dürfe nicht denken, weil es einem gut gehe, werde das auch immer so bleiben. "Ich habe keine Lust, dass wir das Ruhrgebiet der Zukunft werden", zieht der Grünen-Politiker den Vergleich. Es stehe "unglaublich viel auf dem Spiel".

Derzeit befinde man sich in einer "Zange" zwischen dem Silicon Valley und China. Man müsse jetzt alle Kräfte bündeln und sich "an die Decke strecken". Auf Automobilfirmen und Zulieferer warteten nun große Herausforderungen.

Keine konkreten Beschlüsse beim Autogipfel

Der Autogipfel im Kanzleramt ging am Montagabend ohne konkrete Beschlüsse zu Ende. Vertreter von Bundesregierung und Autoindustrie vereinbarten aber, einen Plan zu entwickeln, um Elektroautos attraktiver zu machen. Mit einem sogenannten Masterplan soll geklärt werden, was nötig ist, damit das Netz von Stromladestationen ausgebaut werden kann.

Bis zum Jahr 2030 sollen sieben bis zehneinhalb Millionen E-Autos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Möglich ist das nur mit einer wesentlich besseren Versorgung mit Stromtankstellen. Zusagen für eine steuerliche Förderung zum Beispiel von billigem Strom gab es nicht. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) gab sich aber nach dem Treffen zuversichtlich. Auf Twitter schrieb er, das Gespräch habe Mut gemacht, "die einzigartige Erfolgsgeschichte deutscher Automobilproduktion" fortsetzen zu können - durch Forschung, Innovation, Bildung und Infrastrukturausbau.

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