Das Logo der IG Metall auf einer Wand (Foto: dpa Bildfunk)

Autobranche in der Krise IG Metall kritisiert Sparkurs vieler Unternehmen

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Der teure Abschied vom Verbrennungsmotor, die Handelsauseinandersetzungen und die schwächelnde Konjunktur: 2019 ist ein hartes Jahr für Autobauer und Zulieferer. Viele Beschäftigte sind verunsichert.

Die baden-württembergischem Autobauer und -zulieferer verkünden aktuell eine Hiobsbotschaft nach der anderen: Daimler plant ein Sparprogramm, Audi streicht in seinem Werk in Neckarsulm die Nachtschicht, bei etlichen Unternehmen im Land sollen Stellen wegfallen. Die aktuellen Diskussionen beunruhigen auch die Beschäftigten in den Betrieben.

Beschäftigte sind beunruhigt – IG Metall fordert gemeinsame Lösungen

Roman Zitzelsberger, Chef der IG Metall Baden-Württemberg, beschreibt die aktuelle Lage so: „Wir können feststellen, dass wir ungefähr 150 bis 160 Betriebe in Baden-Württemberg haben, wo es intensive Einsparprogramme gibt. Das geht von Kurzarbeit über Reduktion der Arbeitszeit bis zur Ankündigung von Personalabbau. Wir erwarten von jedem Unternehmen, dass es mit der IG Metall eine betriebliche Transformationsvereinbarung macht, in der klar ist: Die Standorte und die Beschäftigten sind gesichert, und wir suchen gemeinsam nach Lösungen, wie wir diesen Weg gemeinsam gehen können und die Veränderungen gestalten.“

Daimler verlangt Opfer – die Stimmung ist mies

Autobauer wie Daimler und Audi sind mitten im Umbruch – Daimler-Chef Ola Källenius wird morgen in London seine künftige Strategie für das Unternehmen präsentieren. Klar ist schon jetzt: Er wird auch von den Beschäftigten Opfer fordern. Die Rede ist davon, dass sie auf Tariferhöhungen verzichten sollen.

Davon halten die Mitarbeitenden wenig, meint Michael Häberle, Betriebsratsvorsitzender bei Daimler in Untertürkheim: „Die Stimmung ist relativ mies, weil man merkt, dass versucht wird, einen role back zu machen und die ganzen Standards, die man erreicht hat, zurückzudrehen, weil wir uns aktuell in einer wirtschaftlichen Situation befinden, wo das Unternehmen meint, das rechtfertigen zu können. Das sorgt für Missstimmung in der Belegschaft.“

Dunkle Wolken ziehen über die Mercedes-Benz Niederlassung in Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Norbert Försterling/dpa)
Auch Daimler verlangt Zugeständnisse von der Belegschaft. picture alliance/Norbert Försterling/dpa

Harter Sparkurs bei Bosch riskiert Spaltung der Belegschaft

Beim Autozulieferer Bosch hat unter anderem der Dieselskandal Spuren hinterlassen. Die Konsequenzen bekommen die Beschäftigten im Moment zu spüren, erklärt Hartwig Geisel, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei dem Autozulieferer: „Die Firma Bosch fährt hier einen harten Sparkurs. Wir sind völlig überrascht über die Dimension, die das inzwischen angenommen hat. Die Firma Bosch riskiert die soziale Spaltung der Belegschaft und treibt eine Renditeorientierung voran, um das zu erreichen – in erster Linie mit Personalabbau. 3.300 Stellen sollen in den nächsten Jahren abgebaut werden.“

Bei Audi droht Verlagerung der Produktion ins Ausland

Krise herrscht momentan auch bei Audi, so sollen zum Beispiel Teile der Produktion aus Deutschland ins Ausland verlagert werden. Das betrifft auch die Beschäftigten am Standort in Neckarsulm. Rolf Klotz, der Chef des Betriebsrates, sagt: „Es geht weiter um Personalreduzierung und es geht aus Unternehmenssicht um die Frage, inwieweit sich die Belegschaft monetär an der Gestaltung der Zukunft beteiligen will – wir sprechen auch über die Audi-Erfolgsbeteiligung.“

Dauer

IG Metall plant großen Aktionstag

Mit einem Aktionstag am 22. November in Stuttgart will die IG Metall jetzt auf die Lage in den Unternehmen aufmerksam machen. Erwartet werden mehr als 10.000 Beschäftigte aus Betrieben in ganz Baden-Württemberg.

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