Eine sanierte und eine baufaellige Haelfte eines Hauses stehen nebeneinander. (Foto: Imago, Florian Gaertner/photothek.net)

Zahlen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Armutsbericht 2019: Baden-Württemberg steht im Ländervergleich gut da

Die Armutsquote in Baden-Württemberg lag im vergangenen Jahr deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Trotz positiven Gesamtergebnisses ist die Armutsquote in einigen Regionen langfristig jedoch kräftig gestiegen.

Die Armutsquote für das Jahr 2018 liegt in Baden-Württemberg bei 11,9 Prozent. Damit leben hierzulande mit rund 1,3 Millionen Menschen - und somit jedem achten Einwohner - verhältnismäßig wenige Menschen in Armut. Nur in Bayern ist der Anteil (11,7 Prozent) noch etwas kleiner. Die beiden Bundesländer liegen mit deutlichem Abstand auf den vorderen zwei Plätzen. Am höchsten ist die Armutsquote mit 22,7 Prozent im Bundesland Bremen. Die Zahlen gehen aus einem Bericht des Paritätischen Gesamtverbandes hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Fünf der zehn Regionen mit der niedrigsten Armutsquote stammen aus Baden-Württemberg: Schwarzwald-Baar-Heuberg, Bodensee-Oberschwaben, Stuttgart, Heilbronn-Franken und Donau-Iller. Am geringsten ist die Armut im Land in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, am höchsten in der Rhein-Neckar-Region.

Menschen in Großstädten stärker von Armut betroffen

Laut Bericht gibt es regionale Unterschied: Generell seien mehr Menschen in Großstädten als in ländlichen Regionen von Armut betroffen. Die meisten Sozialleistungen (SGB II) in Baden-Württemberg werden in den Städten Pforzheim und Mannheim in Anspruch genommen. Aber auch in Heilbronn, Stuttgart und Freiburg sind die Anteile verhältnismäßig hoch.

Der Sprecher des Verbandes vom Regionalverbund Südbaden, Carlos Mari, machte auch die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Mieten dafür verantwortlich: "In Großstädten wie Stuttgart oder Freiburg sind Kaltmieten von 1.600 Euro für eine Familie keine Seltenheit, dies ist eine Armutsfalle."

Starker Zuwachs der Armut seit 2008

Auch wenn Baden-Württemberg im Vergleich sehr gut dasteht, sorgen sich die Armutsforscher über die langfristige Entwicklung: Innerhalb der letzten zehn Jahre hat die Armut im Land um fast 17 Prozent zugenommen - und ist damit deutlich stärker gewachsen als im Bundesdurchschnitt (7,6 Prozent). Betroffen sind laut Bericht vor allem die Schwarzwaldregionen: In Schwarzwald-Baar-Heuberg (Kreise Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar) sei die Armutsquote, trotz gutem Ergebnis, seit 2008 um mehr als ein Drittel gewachsen - in der Region Nordschwarzwald (Pforzheim, Kreise Calw, Freudenstadt und Enzkreis) sogar um knapp 50 Prozent. Diese Entwicklung sollte in den kommenden Jahren beobachtet werden, um frühzeitig gegenzusteuern, heißt es in dem Bericht.

Armutsgrenze für Paar-Haushalt mit zwei Kindern bei 2.200 Euro

Der Bericht stützt sich auf Datenerhebungen des Statistischen Bundesamtes. Der Definition zufolge gilt als arm, wer maximal 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Für einen Paar-Haushalt mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt dieses Einkommen bundesweit bei knapp 2.200 Euro. Für einen Single-Haushalt bei etwa 1.000 Euro.

Besonders betroffen von Armut sind laut Bericht unter anderem Kinder und junge Erwachsene unter 25 Jahren, Frauen und Paar-Haushalte mit drei oder mehr Kindern. Doch auch die Gruppe der Rentner hat in den letzten zehn Jahren stärker mit Altersarmut zu kämpfen: Während sie jahrelang nur eine unterproportionale Armutsquote vorwiesen, gehören sie seit 2014 zu den Gruppen mit erhöhtem Armutsrisiko.

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