Nicht alle in Baden-Württemberg freuen sich über die Wahl AKKs (Foto: picture-alliance / dpa, Abdulhamid Hosbas)

CDU-Bundesparteitag in Hamburg Begeisterung und Entsetzen über AKKs Wahl in BW

Der Wettbewerb um die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Chefin hat der Partei aus Sicht von BW-Innenminister Thomas Strobl neuen Schwung gegeben. Aber die Wahl von AKK stößt nicht überall im Land auf Wohlwollen.

"Von Hamburg aus weht ein neuer Wind in die CDU hinein, wir haben viel zu tun", sagte Strobl am Freitagabend. "Wir krempeln gemeinsam mit AKK die Ärmel hoch und packen es an - für Deutschland und seine Menschen."

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Strobl: "Wir haben einen Startschuss erlebt"

Mit Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) als Bundesparteichefin und Kanzlerin Angela Merkel werde die CDU überzeugende Antworten auf die existenziellen Herausforderungen in Deutschland, Europa und der Welt geben. "Mit der heutigen Entscheidung sind wir nicht über eine Ziellinie gelaufen, sondern wir haben einen Startschuss erlebt", so Strobl. Mit der Debatte um die Merkel-Nachfolge habe die CDU eine "Sternstunde der innerparteilichen Demokratie" erlebt. "Das war geradezu stilbildend für die politische Kultur in unserem Land."

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Von den insgesamt 1.001 Wahlberechtigten stimmten aus Baden-Württemberg 154 Delegierte am Freitag über die Nachfolge von Angela Merkel ab.

Viele von ihnen hatten sich im Vorfeld für den früheren Unionsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz ausgesprochen, es gab sogar eine Unterstützer-Kampagne für ihn. Die bisherige CDU-Generalsekretärin AKK konnte sich am Freitag in Hamburg allerdings mit knapp 52 Prozent der Stimmen in einer Stichwahl gegen Merz durchsetzen. Auf Merz entfielen gut 48 Prozent der Stimmen. Gesundheitsminister Jens Spahn erhielt im ersten Wahlgang knapp 16 Prozent und zog somit nicht in die Stichwahl ein.

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Generalsekretär Hagel gibt sich zurückhaltend

"Bei einem solchen Fotofinish gibt es natürlich immer auch enttäuschte Stimmen - auch in Baden-Württemberg, genauso wie es bei uns auch freudige Stimmen gibt", sagte der Generalsekretär der Landes-CDU, Manuel Hagel. Der Parteitag habe demokratisch mit Mehrheit entschieden. Wichtig sei, den Schwung aus dem Wahlkampf weiterzuführen. "In den Umfragen geht es wieder aufwärts und das ist auch gut so. Denn klar ist, nach unserer innerparteilichen Wahl ist vor der Kommunal- und Europawahl im kommenden Mai."

Frauenunion begrüßt Wahl von Kramp-Karrenbauer

Die Frauenunion (FU) Baden-Württemberg begrüßte die Entscheidung für AKK. "Sie war die stärkere Kandidatin, hatte bessere Vorstellungen und bereits viel Einsatz für die Partei gezeigt", betonte FU-Landeschefin Inge Gräßle. Sie habe die breitere Erfahrung als ihre unterlegenen Mitbewerber und könne Brücken bauen und zusammenführen. Die FU hat knapp 18.000 Mitglieder in Baden-Württemberg.

Der Stuttgarter CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann sagte, er habe Kramp-Karrenbauer seine Stimme gegeben. Als anstehende Herausforderungen für sie nannte er zum Beispiel, die Partei zusammenzuhalten, mehr junge Menschen anzusprechen und verloren gegangene Wähler wieder an die CDU zu binden.

Der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter vom CDU-Kreisverband Ostalb lobte einen "wirklich fairen und engagierten Wettbewerb". "Mit der neuen Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer gilt es nun, den Aufwind und die spürbare Aufbruchsstimmung weiterzutragen und alle Parteiströmungen zusammenzuführen", teilte Kiesewetter mit. "Alle Mitglieder sind jetzt gefordert, gemeinsam mit der Parteivorsitzenden die Arbeit der Regierungskoalition zu begleiten und nach Kräften zu unterstützen."

Rülke: Eine Entscheidung für Erhalt des Systems Merkel

SPD-Landeschef Andreas Stoch bezeichnete die Wahl von Kramp-Karrenbauer als "Chance, sich an dieser konservativeren Nachfolgerin von Frau Merkel reiben zu können". "Das ist aber nicht entscheidend. Alles andere liegt nur an uns selbst", sagte er. Dass die BW-CDU im Vorfeld so stark für Merz getrommelt habe, zeige, "dass die hiesige CDU neoliberaler und spießiger tickt als anderswo".

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke reagierte hingegen nach eigenen Angaben entsetzt auf das Hamburger Wahlergebnis. Es sei ihm völlig unverständlich, dass die CDU nicht Merz gewählt habe. "Es hätte die Chance bestanden, wieder Wähler von der AfD zurückzugewinnen und die politische Landschaft in Deutschland zu stabilisieren", teilte Rülke am Freitagabend mit. "Mit der Wahl von Kramp-Karrenbauer hat sich die CDU dazu entschieden, das System Merkel noch viele Jahre fortzusetzen." Die Union werde damit immer schwächer und der rechte Rand immer stärker werden.

Die CDU habe sich gegen einen klaren Bruch entschieden und die marktwirtschaftliche Erneuerung gescheut, betonte auch FDP-Landeschef Michael Theurer. "Es ist weiter an uns Freien Demokraten, für die arbeitende Mitte und die soziale Marktwirtschaft zu kämpfen."

Der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags, Rainer Reichhold, forderte von der neuen Parteivorsitzenden ein starkes Engagement für das Handwerk. So müsse sich Kramp-Karrenbauer etwa für den Bürokratieabbau einsetzen.

Strobl als Vize wiedergewählt

BW-Innenminister und CDU-Landeschef Strobl wurde am Freitagabend als stellvertretender Parteivorsitzender wiedergewählt. Strobl ist damit erneut einer von fünf Stellvertretern. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier erhielt mit 90,04 Prozent die meiste Zustimmung, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bekam mit 57,47 Prozent die geringste Stimmenzahl. Strobl landete mit 59,34 Prozent knapp davor. Weitere stellvertretende CDU-Vorsitzende sind Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (86,0 Prozent) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (75,62).

"Ich selber eigne mich nicht für Schönheitswettbewerbe"

Thomas Strobl, Stellvertretender CDU-Bundesparteichef

Angesprochen auf sein vergleichsweise schlechtes Abschneiden bei der Wahl der Stellvertreter sagte Strobl am Samstag im SWR, das beschäftige ihn nicht eine Sekunde. "Ich selber eigne mich nicht für Schönheitswettbewerbe", so Strobl. In der Demokratie sei man mit 50 Prozent plus eine Stimme gewählt, nun wolle er die Ärmel hochkrempeln und nach vorne blicken.

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