Radfahrer fahren auf dem neuen Radschnellweg zwischen BöblingenSindelfingen und Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)

Alternative für Pendler Baden-Württemberg will mehr Radschnellwege

Um Abgasen und Staus beizukommen, plant Baden-Württemberg mehr Radschnellwege. Das Land steht im Bundesvergleich gut da, meint der ADFC - solange nun auch die Umsetzung und die Anbindung in die Innenstädte klappt.

Laut Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) stößt sein Plan, mehr Radschnellwege zu bauen, in den Regionen auf Begeisterung. Sein Ministerium hat bisher 50 potenzielle Strecken untersucht, drei sind konkret geplant: von Heidelberg nach Mannheim, von Heilbronn nach Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) und von Stuttgart nach Plochingen (Kreis Esslingen). Weitere vier Strecken sind im Freiburger und Karlsruher Raum angedacht.

"Baden-Württemberg ist im bundesweiten Vergleich sehr ambitioniert", sagt Kathleen Lumma vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Baden-Württemberg (ADFC). Durch die zahlreichen geförderten Machbarkeitsstudien in den Landkreisen sei nun klar, wo sich Radschnellwege lohnen. "In anderen Bundesländern gibt es mal ein einzelnes Projekt, aber dass das so flächendeckend bespielt wird, gibt es bisher nur in Baden-Württemberg."

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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

"Deutschland hat den Anschluss verpasst"

Allerdings müssten die Pläne auch in die Tat umgesetzt werden. Ein Pilotprojekt zwischen Mannheim und Heidelberg zum Beispiel ist aktuell in der Planung und soll frühestens 2022 in den Bau gehen. "Solche Vorhaben sind sehr zeitaufwendig und natürlich hätten wir uns gewünscht, dass das viel schneller passiert", sagt Lumma und verweist auf die Niederlande, in denen es schon seit Jahren Radschnellwege gibt. "Aber da hat Deutschland schlicht und ergreifend den Anschluss verpasst, und das gilt es jetzt mit schlanken Planungsprozessen nachzuholen."

Hermann verwundert über Proteste zwischen Mannheim und Heidelberg

Dass jedoch schon die Planungen kompliziert sein können, führt das Projekt Mannheim-Heidelberg aktuell vor Augen. Vergangene Woche gab es Proteste, vor allem weil der Weg durch ein Wohngebiet mit Schule und Kindergarten führen soll. Verkehrsminister Hermann gab sich am Dienstag gelassen: "Man kann auch solche Konflikte lösen, in dem man zum Beispiel einen Überweg baut oder mit Schildern darauf hinweist, dass man mit reduzierter Geschwindigkeit fahren soll." Trotzdem sei er verwundert über die Proteste: "Alle wollen, dass die Luft sauber ist und dass es weniger Stau gibt", sagte Hermann. "Nun hat man mal eine Lösung und dann ist das auch wieder nicht recht."

"Der Radverkehr muss sich damit auseinandersetzen, dass es auch andere Interessen gibt", sagt Lumma vom ADFC. Optimalerweise sollten Radschnellwege demnach entlang alter Bahntraßen oder ungenutzter Straßen verlaufen. "Ansonsten wird es immer darauf hinauslaufen, dass man darüber streiten und die Interessen ausgleichen muss", sagt Lumma. "Reibungslos wird es sicherlich nirgendwo funktionieren."

Anbindung an die Innenstädte ein Muss

Das gilt auch für die konsequente Anbindung der Radschnellwege in die Ballungszentren. "Jede Kommune oder jeder Landkreis, der einen Radschnellweg bauen will, muss sich überlegen, wie dieser an das restliche Radnetz angedockt ist", sagt Lumma. Beim ersten und bisher einzigen Radschnellweg in Baden-Württemberg zwischen Stuttgart-Rohr und Böblingen habe man diese Frage im Vorfeld nicht geklärt. Auf Böblinger Seite sei die Bereitschaft da, einen Anschluss bis in die Innenstadt zu schaffen. Auf Stuttgarter Seite jedoch sei seit der Freigabe der Strecke im Mai nichts passiert. "Am Ende müssen sich die Radfahrer doch wieder durch den Stadtverkehr schlängeln", so Lumma.

Dennoch wird der Radschnellweg laut Verkehrsminister Hermann von rund 1.500 Radfahrern am Tag angenommen. Das ist laut ADFC zwar "vielversprechend", dennoch ist Luft nach oben. Denn eigentlich sollen Radschnellwege von mindestens 2.000 Menschen am Tag genutzt werden, damit sich der Bau auch lohnt.

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