Arzt untersucht Patient mit Stethoskop (Foto: picture-alliance / dpa)

Überlastete Mediziner in Baden-Württemberg Ärzte klagen über zu wenig Zeit für Patienten

Unmengen an Papierkram, keine Zeit für Patientengespräche und Fließbandarbeit - Alltag in baden-württembergischen Praxen und Krankenhäusern. Bei manchen Ärzten macht sich Verzweiflung breit.

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Viele angestellte Ärzte in Baden-Württemberg klagen über eine zu hohe Arbeitsbelastung. Zwei Drittel der Angestellten gaben in einer von dimap durchgeführten Umfrage an, nicht genügend Zeit für ihre Patienten zu haben. Das teilte Matthias Fabian, Vorstandsmitglied der Ärztegewerkschaft Marburger Bund in Baden-Württemberg, am Donnerstag mit. Demnach meinen neun von zehn angestellten Ärzten, dass die gesundheitliche Versorgung der Patienten besser wäre, wenn sie mehr Zeit für ihre Patienten hätten.

Insgesamt nahmen 3.320 Ärzte aus Baden-Württemberg an der Befragung teil.

Marburger Bund: "Das Problem ist die Work-Life-Balance"

Der Landesvorsitzende des Marburger Bundes, Frank Reuther, sagte, statt des Wohlergehens des Patienten stünden oft wirtschaftliche Erwägungen im Mittelpunkt. Der Bund könne bei seinen Mitgliedern mit Tarifsteigerungen nicht mehr punkten, weil das Geld nicht mehr das Problem sei. "Das Problem ist die Work-Life-Balance, das Gefühl, auszubrennen im Krankenhaus, weil man die Versorgungsleistung am Patienten, die man erbringen will, nicht mehr vollständig schafft." Manche Ärzte seien deshalb verzweifelt. "Das haben die Arbeitgeber noch nicht begriffen, dass man letztendlich nur dann gute Medizin machen kann, wenn ausreichend Zeit vorhanden ist", sagte Reuther.

Der Verband fordert unter anderem mehr Studienplätze für angehende Mediziner und systematische Kontrollen der Aufsichtsbehörden, damit Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz erfasst und geahndet werden.

Land will mehr Studienplätze einrichten

Die Regierungsfraktionen Grüne und CDU wollen mit zusätzlichem Steuergeld nächstes Jahr 150 Medizin-Studienplätze mehr einrichten.

In Baden-Württemberg gibt es 19.000 bis 20.000 angestellte Ärzte, davon ist etwa die Hälfte Mitglied des Marburger Bundes.

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