Diesel Zapfhahn an einer Tankstelle (Foto: picture-alliance / dpa)

Abgasskandal in Baden-Württemberg Motorenexperte: "Der Diesel bleibt"

Trotz Fahrverboten stehe dem Dieselmotor ein gutes Jahr bevor, sagt Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Diesel seien besser als ihr Ruf.

"Der Diesel bleibt ein hervorragender, erfolgreicher Antriebsstrang der Zukunft", sagte Thomas Koch im SWR-Interview. Alle Neufahrzeuge, die ab September 2019 mit einem Diesel-Motor zugelassen würden, genügten der neuesten, weltweit strengsten Emissionsgesetzgebung. Auch andere Wissenschaftler scheinen diese These zu unterstützen. "Wir sind uns in der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik e.V. von Anfang an immer einig gewesen: Der Diesel bleibt", sagte Koch.

Die Politik stehe vor einem schwierigen Dilemma, so Koch. Europa habe den strengsten NO2-Grenzwert weltweit. In den USA dagegen gelten 103 Mikrogramm als unbedenklich. In dem US-Bundesstaat Kalifornien, der als besonders umweltfreundlich gilt, liegt er beispielsweise bei 57 Mikrogramm. Dabei werde nicht straßennah gemessen, so Koch. In Deutschland herrschen der EU-Richtlinie entsprechend strengere Vorgaben: 40 Mikrogramm im Jahresmittel als Höchstwert. Das sei bei Realbedingungen und mit der aktuellen Technik schwer einzuhalten.

"Wir messen 40 Mikrogramm und wollen diese unmittelbar straßennah einhalten, das schaffen wir eben noch nicht."

Thomas Koch, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Hat die Industrie die Entwicklung verschlafen?

Die Industrie habe aber durchaus Fehler gemacht, so Koch im Interview. "Wir haben die neue Technologie spät bekommen, man hätte sie ein, zwei Jahre früher bringen können. Das ist der Fehler der Industrie", sagte Koch. Das sei aber mittlerweile durch Software-Updates überarbeitet worden.

Koch hoffe, dass die Politik und die Kommunen eine Lösung finden, um Fahrverbote - zumindest für Euro-5-Fahrzeuge - zu verhindern. Bei Euro-4-Dieseln und Fahrzeugen, die für 2009 zugelassen wurden, sehe er dagegen "keine Chance".

Thomas Koch, Institutsleiter für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie (Foto: picture-alliance / dpa)
Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) (Archiv)
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