Ein durchgestrichenes Papier-Rezept, daneben auf einem Computerbildschirm ein E-Rezept (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/Jan Woitas/Bernhard Schmerl (Montage: SWR))

Ab November in zwei Testregionen "Gerda" soll E-Rezept für ganz Baden-Württemberg bringen

Bald gibt es nicht nur ärztliche Beratung ohne Praxisbesuch, sondern auch E-Rezepte einfach online. Ab November können das Patienten in zwei Regionen Baden-Württembergs testen.

Bereits seit gut einem Jahr können sich Patienten in Baden-Württemberg über das Telemedizinangebot "docdirekt" per Telefon oder Videochat von einem Arzt beraten lassen. Für ein Rezept müssen sie bislang aber trotzdem noch in eine Praxis gehen. Das soll sich jetzt mit dem E-Rezept ändern.

Region Stuttgart und Kreis Tuttlingen sind Testregionen

Patienten in der Region Stuttgart und im Kreis Tuttlingen können sich ab November elektronische Rezepte vom Arzt ausstellen lassen. Anschließend können sie sie beispielsweise per App an eine Apotheke ihrer Wahl schicken. Der Ablauf für die Apotheker bleibe im Grunde gleich, aber das Papier falle weg, sagte der Präsident der Landesapothekerkammer, Günther Hanke.

Das Logo einer Apotheke ist an einem Fenster zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Uli Deck/dpa)
Patienten können das E-Rezept wie ein Papierrezept an die Apotheke ihrer Wahl schicken. picture alliance/Uli Deck/dpa

"Gerda" ab 2020 in ganz Baden-Württemberg?

Wenn der Test positiv verläuft, soll es das E-Rezept ab 2020 in ganz Baden-Württemberg geben. Die Landesapothekerkammer und der Landesapothekerverband Baden-Württemberg haben dafür einen Fachdienst - eine Art digitalen Speicher - entwickelt. Das Programm trägt den Namen "Gerda", abgekürzt für "Geschützter E-Rezept-Dienst der Apotheken". Teilnehmende Ärzte können die verschlüsselten Rezepte darauf sicher ablegen.

E-Rezept an Telemedizinangebot "docdirekt" gebunden

Das E-Rezept ist an "docdirekt" gebunden. Angeboten wird das Telemedizinangebot für Kassenpatienten in Baden-Württemberg. Wer bei "docdirekt" anruft, landet zunächst bei einem Medizinischen Fachangestellten, der den Fall aufnimmt und ihn in ein Portal stellt. Dort sehen ihn die derzeit rund 40 teilnehmenden Ärzte, und wer als Erster Zeit hat, meldet sich per Telefon oder Videochat bei dem Patienten. Das einzige Manko bisher: Die Ärzte konnten zwar beraten, aber keine Medikamente verordnen. Das ändert sich nun mit dem E-Rezept.

Eine Ärztin sitzt während eines Pilotprojekts zur Telemedizin "docdirect", vor ihrem Laptop und hat das Programm geöffnet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa (Archiv))
Rund 40 Ärztinnen und Ärzte machen derzeit bei "docdirekt" mit. picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa (Archiv)

Vorteile für Patienten

Für den Patienten habe das einige Vorteile, sagte Hanke. "Er kann beispielsweise direkt mit der Apotheke kommunizieren: Habt ihr alles da, wann kann ich die Medikamente abholen? Aber auch: Könnt ihr sie mir vorbeibringen?"

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung richtet sich "docdirekt" an Menschen, die in Baden-Württemberg wohnen oder sich hier aufhalten. Manche Patienten hätten beispielsweise keinen festen Hausarzt oder gerade keine Zeit, lange im Wartezimmer zu sitzen. Andere nutzten "docdirekt" aber auch aus dem Urlaub, weil sie lieber mit einem Arzt aus Deutschland sprechen wollten.

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