Baden-Württemberg, Karlsruhe: Auf dem Schlossturm weht die Landesflagge von Baden-Württemberg. Darauf der Schriftzug "Pro". (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uli Deck; Montage: SWR)

70 Jahre Baden-Württemberg

Baden-Württemberg ein geteiltes Bundesland? Ein alter Bollenhut!

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Die traditionelle Frotzelei zwischen Badenern und Württembergern juckt die junge, mit Oettinger-Englisch sozialisierte Generation herzlich wenig, findet SWR-Redakteurin Diana Hörger.

Auch wenn mich Kollegen gerne irrtümlich auf die Ostalb verorten, komme ich ursprünglich aus dem Brenztal. Dort ist es flach und flach sind auch gern mal die Witzeleien. So ist es eigentlich auch kein Wunder, dass ich von der Trennung innerhalb Baden-Württembergs durch eben eine trockene Bemerkung meines Vaters erfahren habe. Ich war 20 und kam am Wochenende von der Uni Konstanz nach Hause. (Gab sicher Linsen und Spätzle bei Mutti.) Mein Vater begrüßte mich mit den süffisanten Worten: (Achtung Schwäbisch) "Kommsch wieder von de Gelbfiaßler hoim?".

Sticheleien aus Baden statt Spaltung

SWR-Redakteurin Diana Hörger aus dem Studio Stuttgart auf einer Veranstaltung. (Foto: SWR)
Ist zwischen Baden und Württemberg Hopfen und Malz verloren? SWR-Redakteurin Diana Hörger aus dem Studio Stuttgart sagt nein.

Bis zu dem Moment war mir nur die nahe Grenze zu Bayern bewusst gewesen (und ja, als Kinder fanden wir es wahnsinnig witzig, über eben jene Grenze ins Nachbardorf zu spucken). Aber dass ich innerhalb des 'Ländles' sogar im Ausland studieren könnte? Wer hätte das gedacht? Über die Jahre hinweg (und der Schwabe wird ja angeblich mit 40 dann auch g’scheit) habe ich immer mal wieder von der Rivalität zwischen Schwaben und Badenern erfahren dürfen. Immer dann nämlich, wenn Sticheleien aus Richtung der von der Sonne belachten Seite kamen. Auf Kosten der 'ach so arroganten', schaffigen Schwaben, die die Badener mit ihrer Leitkultur erdrücken.

Frotzelei juckt junge Menschen aus BW wenig

Nur juckt diese traditionelle Frotzelei all die Menschen herzlich wenig, die mit Tamagotchis, Tetris oder YouTube-Videos von Oettinger-Englisch aufgewachsen sind und den berühmtesten Leimener weder wegen Tennis noch wegen Teppichkammern, sondern nur wegen Insolvenzverfahren kennen - egal ob Ü- oder unterhalb der schwäbischen Weisheitsgrenze.

Warum bewerfen wir uns mit Spätzle und Schwarzwälder Kirschtorte?

Und alle "Neigschmeckte", die außerhalb der Landesgrenzen geboren wurden, fragen sich wahrscheinlich ohnehin, warum wir uns 2022 auch jenseits des Käthe-Kollwitz-Platzes in Berlin auch noch gegenseitig mit Spätzle und Schwarzwälder Kirschtorte bewerfen, weil wir ja sonst keine Probleme haben. 70 Jahre nach der Fusion, oder von mir aus auch der feindlichen Übernahme eben: Alles ein alter Bollenhut oder kalter Holanka-Kaffee. Und ich sag es mal mit einer alten Fußballweisheit: Baden oder Württemberg - Hauptsache nicht Bayern!

Eine Karte auf einem Schreibtisch zeigt den Schriftzug: "Stuttgart, Berlin - Hauptsache Schwäbisch". (Foto: SWR)
Die Karte auf Diana Hörgers Schreibtisch zeigt, wo für sie die entscheidende Grenze verläuft.

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