Ein mobiler Blitzer steht hinter einer Leitplanke (Foto: dpa Bildfunk, Fabian Sommer)

60 Jahre mobile Blitzer Blitzer: Ein Riesengeschäft für die Kommunen?

Sie sollen für mehr Verkehrssicherheit sorgen und stehen doch immer wieder unter Abzock-Verdacht: Blitzer. Doch wie viel lässt sich in Baden-Württemberg mit den unbeliebten Säulen überhaupt verdienen?

Am 15. Februar 1959 nahm die Polizei den ersten mobilen Blitzer in Deutschland in Betrieb. 60 Jahre und unzählige Fotos später sind Blitzer keine Rarität mehr, sondern gehören in ihren verschiedenen Ausführungen zum Straßenbild - besonders in Baden-Württemberg.

Dauer

Mit schätzungsweise 1.300 fest installierten Anlagen ist Baden-Württemberg in Deutschland Spitzenreiter. Zum Vergleich: Deutschlandweit soll es rund 4.500 stationäre Blitzer geben, Tendenz steigend. Eine genauere Zahl gibt es nicht, weil sowohl Städte und Kreise als auch die Polizei Blitzer aufstellen dürfen.

Elf Millionen Euro für Stuttgarts Haushalt

In der Landeshauptstadt Stuttgart stehen beispielsweise 34 Messanlagen, zudem werden sechs Fahrzeuge für Geschwindigkeitskontrollen eingesetzt. Insgesamt "blitzte" es so im Jahr 2017 in Stuttgart rund 420.000 Mal. Das lohnt sich: Die Stadt nahm damit mehr als elf Millionen Euro ein. Das Geld fließt ohne Zweckbindung in den Haushalt. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor, wie das Ordnungsamt auf Anfrage mitteilte.

Auf den baden-württembergischen Autobahnen stehen laut Regierungspräsidium Karlsruhe fünf stationäre Messanlagen, die durch zehn mobile Messstellen ergänzt werden. Die mobilen Geräte zeichneten 495.286 Verstöße auf, die stationären Blitzer 217.085. Das brachte dem Land insgesamt 14,2 Millionen Euro ein.

Standort für Einnahmen entscheidend

Ob sich die Blitzer lohnen, hängt häufig von ihrem Standort ab. Denn viele Blitzer bedeuten nicht zwangsläufig hohe Einnahmen. Oft gewöhnen sich gerade ortskundige Autofahrer schnell an neu aufgestellte Blitzer. So kamen im Kreis Esslingen bei 54 Anlagen 668.000 Euro zusammen, im Rems-Murr-Kreis 733.000 Euro bei gerade mal vier Blitzern.

Von offizieller Seite sollen die Anlagen häufige Unfallstellen sicherer machen, der Luftreinhaltung dienen oder helfen, um gegen die örtliche Tuningszene vorzugehen. Immer aber geht es dabei auch um viel Geld: Der ADAC kritisiert, dass die Kommunen häufig fest mit den Einnahmen aus den Verkehrskontrollen rechnen. "Die gegenwärtige Praxis vieler Kommunen nährt Vorwürfe, dass diese primär erfolgt, um mehr Geld in die kommunalen Kassen zu spülen", so der Automobilclub.

Der ADAC gibt aber auch zu, dass die Überwachung ein "unverzichtbarer Bestandteil der Verkehrssicherheit" sei. Dabei setzt der Automobilclub vor allem auf Transparenz, um dem Vorwurf der Abzocke vorzubeugen. So könnten die Messstellen vorab mit Schildern angekündigt werden, sodass die Autofahrer die Höchstgeschwindigkeit an der Gefahrenstelle auch einhalten. Bei mobilen Messungen könnte eine Abstimmung mit der Polizei helfen.

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