Ein homosexuelles Paar hält sich an den Händen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa)

Streit in der Evangelischen Landeskirche Württemberg 335 Pfarrer sagen Nein zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Wenn es um die öffentliche Segnung lesbischer und schwuler Paare geht, will in der Landeskirche kein Frieden einkehren. Im März hatte sich die Synode vorsichtig geöfffnet, nun regt sich Widerstand bei den Pfarrern.

Auf einer Unterschriftenliste erklärten 335 Pfarrer aus der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, dass sie keine öffentlichen Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare vollziehen werden. Das teilte der Marbacher evangelische Dekan Ekkehard Graf am Donnerstag mit. Die Unterzeichner machten deutlich, dass sie "für eine vom Wort Gottes nicht gedeckte Segnung nicht zur Verfügung stehen", erläuterte Graf.

"Auffällig viele" Nachwuchspfarrer wehren sich

An einem Treffen der Segnungskritiker in Korntal (Kreis Ludwigsburg) hätten demnach auffällig viele junge Theologen teilgenommen. Diese Nachwuchspfarrer wollten "nicht in einer Kirche der theologischen Beliebigkeit arbeiten", hieß es. Mit der Unterschriftenaktion sollen Pfarrer Rückhalt für ein Nein zur öffentlichen Segnung von lesbischen und schwulen Paaren bekommen, sagte Pfarrer Matthias Deuschle aus Herrenberg (Kreis Böblingen). Die Liste wird nicht veröffentlicht, wurde allerdings den Mitgliedern der Landessynode zugesandt.

Seit Jahren Streit um öffentliche Segnung

Die Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg hatte sich erst im März nach jahrelangem Streit zu einem Kompromiss durchgerungen. Demnach dürfen Kirchengemeinden öffentliche Segnungsgottesdienste für lesbische und schwule Paare zwar grundsätzlich anbieten - allerdings nur dann, wenn drei Viertel des Kirchengemeinderats und drei Viertel der für die Gemeinde verantwortlichen Pfarrer sowie der Oberkirchenrat zustimmen.

Maximal ein Viertel aller württembergischen Gemeinden können sich diesem Modell anschließen. Sollten es mehr werden, wäre eine landeskirchenweite Regelung nötig. Dazu müsste die Synode erneut beraten und abstimmen. Allerdings wurde auch eine bis jetzt in Deutschland bei den evangelischen Kirchen einmalige Regelung gleich mit beschlossen: Das Gesetz schließt auch Menschen ein, die weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht angehören.

Landesbischof wertet Aktion als "theologische Standortbestimmung"

Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July wertete die Unterschriftenliste als "theologische Standortbestimmung". Praktische Konsequenzen habe die Erklärung nicht, sagte July am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur in Stuttgart. Niemand werde zu solchen Segnungen gezwungen.

Für problematischer als die Unterschriftenliste hält July die Einschätzung einer Gruppe von etwa 20 Pfarrern der Arbeitsgemeinschaft "Confessio". Diese nennt in einer Erklärung die Installation "eines gottwidrigen Gottesdienstes durch die Zweidrittelmehrheit einer Synode bekenntniswidrig, verfassungswidrig und somit nichtig". July will nun das Gespräch mit dieser Gruppe suchen.

Segnungen beinahe in allen Landeskirchen erlaubt

Segnungs- oder Traugottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare sind inzwischen in allen Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland mit Ausnahme der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe (Niedersachsen) möglich, wenn auch teilweise mit Einschränkungen. So haben Pfarrer und Kirchengemeinden in einigen Landeskirchen das Recht, die Segnung oder Trauung zu verweigern und müssen dann eine andere durchführende Gemeinde benennen.

Als allererste Landeskirche hatte sich die badische geöffnet. Hier sind gleichgeschlechtliche Paare heterosexuellen bereits seit April 2016 gleichgestellt. Hier ist eine Trauung, nicht nur eine Segnung, möglich.

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