Schaulustige stehen auf einer Brücke und beobachten einen Unfall. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Lino Mirgeler/dpa)

Entscheidung im Bundesrat Baden-Württemberg will strengere Gesetze gegen Gaffer durchsetzen

Gaffer sollen härter bestraft werden. Die baden-württembergische Landesregierung setzt sich dafür ein und will per Bundesrats-Beschluss eine Lücke im Strafgesetzbuch schließen.

Ziel ist es, dass auch Unfalltote vor Handy-Aufnahmen von Schaulustigen geschützt werden. Bisher sind nur Handy-Bilder von Verletzten verboten, das Filmen und Fotografieren von Toten steht bislang jedoch nicht unter Strafe. Der Bundesrat forderte am Freitag den Bundestag auf, strengere Gesetze gegen Gaffer einzuführen.

Bilder von Unfallopfern in sozialen Netzwerken verhindern

Der Gesetzgeber habe es sich bisher offenbar nicht vorstellen können, dass sich Gaffer einen Sport daraus machen würden, die makabersten Bilder aufzunehmen und ins Internet zu stellen, sagte Justizminister Wolf dem SWR.

Der Verkehrspsychologe Winfried Schmidt erklärt, das Gaffen sei ein menschlicher Reflex. Seine Begründung hören Sie im Audio:

Strafen müssen angewandt werden - "Eine Androhung alleine hilft nicht"

Härtere Strafen für Gaffer seien richtig, ergänzte der Verkehrspsychologe im SWR. Deshalb befürwortet Winfried Schmidt den Antrag der grün-schwarzen Landesregierung im Bundesrat. Die Gesetze müssten allerdings konsequent angewandt und Strafen verhängt werden. "Eine Androhung alleine hilft nicht."

Polizei oft bei Ermittlungen überfordert

Bei der Ermittlung der Schuldigen sieht der Verkehrspsychologe jedoch Probleme. "Die Polizei ist gar nicht in der Lage, die Gaffer festzustellen." Zunächst müssten die Beamten den Unfallort sichern. Erst danach könnten sich die Einsatzkräfte um die Personen kümmern, die unerlaubterweise fotografiert oder gefilmt hätten. Dann sei es leider oft schon zu spät.

Feuerwehrverband: Dokumentation bedeutet "Schlacht, in der man 'gegenfilmt'"

Auch der Feuerwehrverband spricht von personeller Überforderung im Umgang mit Gaffern. Einsatzkräfte vor Ort müssten dazu in der Lage sein, "sowas zu dokumentieren", sagt Frank Hachemer im SWR. Er ist Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes. Allerdings würde das dann in eine "Schlacht ausarten, in der man 'gegenfilmt'". Dazu komme, dass es an Personal fehle, so etwas umsetzen zu können.

Bundesrat macht Druck beim Thema Gaffer

Der Bundesrat hatte auf Initiative von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern bereits vor einem Jahr einen Antrag im Bundestag eingebracht, der hatte den entsprechenden Gesetzentwurf allerdings nicht weiterverfolgt. Sollte der Bundesrat der Entschließung am Freitag zustimmen, erhöht sich der Druck auf den Bundestag, das Strafgesetz zu verschärfen und damit härter gegen Gaffer vorzugehen.

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