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Einmal mehr trifft sich die Bundeskanzlerin mit Vertretern der Autoindustrie und der Auto-Länder. Die Branche hofft auf weitere Hilfen, obwohl Corona fast keine Rolle mehr spielt.

Vorschläge, wie die Autoindustrie zu retten ist, gibt es jede Menge. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aus dem BMW- und Audi-Land Bayern will zum Beispiel, dass jeder eine Prämie bekommt, der ein altes Auto gegen ein neues eintauscht, das weniger CO2 ausstößt – das wäre die Neuauflage der Abwrackprämie. Auch die Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie fordert weitere Kaufanreize.

Aktivisten der Kampagnenorganisation Campact demonstrieren vor dem Kanzleramt mit Schildern mit der Aufschrift "Vorfahrt fürs Klima", "Stop Abwrackprämie" und "Kein Steuergeld für Spritschlucker!". (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Michael Kappeler/dpa)
Hoch umstritten: Bereits beim Autogipfel im Mai demonstrierten Aktivist*innen gegen eine Kaufprämie für Autos. picture alliance/Michael Kappeler/dpa

Die SPD kann sich hingegen vorstellen, dass sich der Staat an klammen Zulieferern beteiligt. Das Geld soll dann genutzt werden, um den Umstieg auf die Elektromobilität zu schaffen. Auch die Autogewerkschaft IG Metall fordert weitere Hilfen für Zulieferer. Und der Verband der Autoindustrie will vor allem mehr Zusagen für Ladesäulen und bessere Startbedingungen für vernetztes Fahren.

Südwest-Metallarbeitgeber gegen Verbrennerprämie

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall hat seine Forderung nach einem finanziellen Kaufanreiz für Verbrennermotoren mittlerweile zurückgezogen. "Da jetzt nochmal nachzutreten, das macht keinen Sinn", sagte der Südwestmetall-Vorsitzende Stefan Wolf dem RBB. Vielmehr müsse man um die Transformation in der Industrie zu meistern, bisherige Kenntnisse durch neue ersetzen. Wolf prophezeite in diesem Rahmen aber auch einen "massiven Abbau von Arbeitsplätzen".

Auto-Experte: Langfristig braucht es mehr als die Corona-Hilfen

Auch der Verkehrs- und Infrastrukturforscher Thomas Puls vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) sieht im SWR-Interview den größten Bedarf bei Hilfen für kleinere Zulieferer.

"Ich glaube, in der kurzen Frist ist es wichtig, die Liquidität zu erhalten. Das ist immer noch der Corona-Impact. Und gerade kleinere Firmen haben da gelegentlich noch Probleme. Mittelfristig muss man sich, glaube ich, ganz genau überlegen, wie man für diese Firmen neue Geschäftsfelder entwickeln kann."

Thomas Puls, Institut der Deutschen Wirtschaft (IW)

Ohnehin habe die Autoindustrie auch insgesamt ihre Rolle als Wachstumsmotor eingebüßt, so eine IW-Studie.

Mehr Übergangszeit für die CO2-Reduzierung?

Insgesamt dürfte beim Autogipfel aber keiner der Beteiligten alle seine Wünsche erfüllt bekommen, glaubt die SWR-Autoexpertin Sabrina Fritz:

"Was es meiner Meinung nach nicht geben wird, ist eine Kaufprämie für jedes Auto: 5.000 Euro vom Staat für egal welches neue Auto, damit rechnet nicht einmal die Autoindustrie selbst."

Sabrina Fritz, SWR Wirtschaftsredaktion

Zudem gibt es bereits zahlreiche Hilfen für die Autohersteller. Im Corona-Hilfspaket aus dem Juni waren Milliarden enthalten für Elektroautos, für mehr Ladesäulen, sowie für kleinere Zulieferer, die Geld für die Umstellung auf die E-Mobilität brauchen. Das Problem dabei ist allerdings bisher, dass die Hilfen oft kompliziert zu bekommen sind und es lange dauert, diese zu bekommen. Deswegen wird bisher viel Geld gar nicht abgerufen.

Entlastung für die Autoindustrie könnte es dafür durch weniger ehrgeiziger CO2-Ziele geben. Ab 2021 dürfen Neuwagen jedes Herstellers im Durchschnitt nicht mehr als 95 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen. Diese Ziele hat die EU vorgegeben. Wenn deutsche Hersteller für eine Übergangszeit doch noch etwas mehr Kohlendioxid ausstoßen dürften, als jetzt von der EU vorgesehen, würde ihnen das hohe Strafen ersparen.

Ein Auto fährt in Berlin am Bundeskanzleramt vorbei. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Kay Nietfeld/dpa)
Beim Gipfeltreffen im Bundeskanzleramt hofft die Autoindustrie auf neue Hilfen. picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Raus aus der Corona-Krise, zurück in die CO2-Krise

Die Forderungen für den Autogipfel im Kanzleramt machen dabei deutlich, dass die Auswirkungen der Corona-Krise für die Autobranche fast schon in den Hintergrund rücken. Jetzt geht es wieder um die grundsätzlichen Probleme der Branche: Wie kann sie den CO2-Austoß begrenzen und fit für die Zukunft werden?

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