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Wer in der Causa Palmer Schaden nimmt, ist noch keineswegs ausgemacht, meint Martin Rupps. Dass Annalena Baerbock und Co. Boris Palmer ebenfalls zum politischen Schafott zerren, passt nicht zu einer Partei, die viel auf ihre guten Sitten hält.

Die Grünen im Südwesten können nicht so recht Oberbürgermeister. Der arrogante Dieter Salomon in Freiburg wurde abgewählt. Fritz Kuhn, als ehemaliger Bundesvorsitzender in das Stuttgarter Rathaus entsorgt, musste an seiner Wiederwahl zweifeln, worauf er erst gar nicht antrat. Die unnahbare Oberbürgermeister-Kandidatin Tabea Rößner landete in Mainz, wo die Grünen stärkste Kraft sind, auf Platz 3.

Von seinem Vater Helmut Palmer, dem 2004 verstorbenen "Remstal-Rebellen", hat der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) Baumschneiden und den gezielten Wortschuss gelernt (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance)
Von seinem Vater Helmut Palmer, dem 2004 verstorbenen „Remstal-Rebellen“, hat der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) Baumschneiden und den gezielten Wortschuss gelernt picture-alliance

Der Grüne Boris Palmer in Tübingen darf von sich sagen, dass er Oberbürgermeister kann. Er schreibt kluge Bücher und hat gute Ideen, zuletzt das "Tübinger Modell" für Corona-Lockerungen. Trotzdem will ihm der Landesverband Baden-Württemberg das Parteibuch wegnehmen, was an ein paar väterlichen Genen von Boris Palmer liegt. Von seinem Vater Helmut Palmer, legendärer Obstbauer und Remstal-Rebell, hat der Sohn das Baumschneiden und den gezielten Wortschuss gelernt – mal oberhalb der Gürtellinie, mal darunter.

Palmer kann als Parteiloser OB bleiben

Es erscheint mir als schwerer Fehler, dass die Bundes-Grünen das Ausschlussverfahren des Landesverbandes nicht verhindert haben. Formal ist die Personalie Ländersache, aber wer an der Causa Palmer Schaden nimmt, ist noch keineswegs ausgemacht. Für Boris Palmer ändert sich erst einmal nichts: Zur Bundestagswahl im September wird er auf jeden Fall noch in der Partei sein. Vorher gibt er, jetzt besonderer Liebling der Medien, den grünen Martin Luther. In Tübingen kann er sich als Parteiloser um eine weitere Amtszeit bewerben.

Annalena Baerbock und Co. dagegen zwang das gestartete Ausschlussverfahren zu einer klaren Haltung. Sie zerren jetzt ebenfalls Boris Palmer zum politischen Schafott. Das passt nicht zu einer Partei, die viel auf ihre guten Sitten hält, etwa die K-Frage friedlich gelöst hat. Natürlich, Boris Palmer lebt schlechte Sitten vor, aber ein strenger Verweis hätte den Konflikt zumindest vorläufig beendet.

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