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Die Probleme mit dem Impfstoff von Astraeneca reißen nicht ab. Erst sollten sich nur unter 65-Jährige impfen lassen, dann drohte die Gefahr von Blutgerinnseln, wonach unter anderem Deutschland, die Impfungen aussetzte. Jetzt diskutieren Experten über mögliche Risiken unter anderem im Zusammenhang mit der Einnahme einer Anti-Baby-Pille.

Im Zweifel lieber nicht mit Astrazeneca impfen! So könnte die Botschaft einiger Pharmazeuten und Ärzte an Frauen lauten, die eine Anti-Baby-Pille einnehmen. Denn es bestehen möglicherweise Gesundheitsrisiken. Prof. Wolf-Dieter Ludwig, Pharmakologe und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, sagte im SWR: Sollten "Risikofaktoren", wie Übergewicht oder die Einnahme der Anti-Baby-Pille vorliegen, "würde ich derzeit den zu impfenden Personen raten, sich möglicherweise mit einem anderen Impfstoff impfen lassen."

Abgesehen davon würde sich der Mediziner selbst - trotz des Impfstopps und der Gefahr von Blutgerinseln - bedenkenlos mit dem Vakzin von Astrazeneca impfen lassen. Das Risiko sieht Ludwig in der Kombination.

Risiko Anti-Baby-Pille

Auch von der Anti-Baby-Pille selbst sind Thrombosen als seltene Nebenwirkungen bekannt. Allerdings ist hier diese Nebenwirkung explizit im Beipackzettel des verschreibungspflichtigen Medikaments aufgeführt. Jede Frau muss von der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt über dieses Risiko aufgeklärt werden. Beim Astrazeneca-Impfstoff hingegen sei die sogenannte Sinusvenenthrombose mit begleitendem Blutplättchenmangel bisher nicht in der Patienteninformation aufgeführt.

Impfungen mit Astrazeneca ausgesetzt - Menschen sind verunsichert

Prof. Wolf-Dieter Ludwig hält es für verfrüht, die Impfungen mit Astrazeneca auszusetzen. "Ich denke, man hätte durchaus die Zeit gehabt, die endgültige Beurteilung der EMA, die diesen Impfstoff zugelassen hat, abzuwarten." Eine solche Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) könnte am morgigen Donnerstag erfolgen. "Man hat durch diese Entscheidung zu einer enormen Verunsicherung geführt", sagt Ludwig.

Es habe nur sieben Fälle von Sinusvenenthrombose gegeben – bei rund 1,6 Millionen Impfungen in Deutschland. In Großbritannien seien bereits rund zehn Millionen Menschen mit Astrazenca geimpft und dort habe es keine derartigen Fälle gegeben. "Es handelt sich um sein sehr seltenen, durchaus zu analysierendes Sicherheitssignal, aber man hätte nicht einen Impfstoff, der sowieso schon kritisiert wurde, aus dem Verkehr ziehen sollen", sagt Ludwig.

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