Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Arztpraxen bleiben aus Protest zu

Meinung: Lauterbach: Alle Patienten sind gleich

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Martin Rupps
Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Ärzteverbände streiten über die "Neupatientenprämie". Das Gesundheitswesen ist mal wieder eine Bühne für absurdes Theater, meint Martin Rupps.

Am Mittwoch blieben in Baden-Württemberg viele Arztpraxen zu. In Rheinland-Pfalz sollen am 12. Oktober die Praxen geschlossen bleiben. Niedergelassene Ärzte und ambulante Dienstleister wehren sich dagegen, dass ihre Honorare zum 1. Januar um magere zwei Prozent steigen sollen bei einer vier Mal so hohen Inflation. Weiter bestehen sie auf die sogenannte Neupatientenvergütung, die der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor drei Jahren eingeführt hat, und die sein Nachfolger Karl Lauterbach (SPD) kippen will. Er argumentiert, die Niedergelassenen würden die Zahl der Neupatienten schönen. Ärzteverbände wiederum fürchten ein Praxissterben in der Fläche.

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Mich frustrieren solche gesundheitspolitischen Scharmützel. Bei Tarifauseinandersetzungen im Öffentlichen Dienst oder der Lufthansa geht es um konkrete Summen, während sich ein deutsches Arzthonorar aus vielen Bestandteilen zusammensetzt. Der Minister bleibt Belege für seinen Vorwurf schuldig. Die Verbände wiederum nennen pauschal eine Gesamtsumme, 400 Millionen Euro, die den Niedergelassenen ohne die Prämie fehlen würde.

Das deutsche Gesundheitswesen zählt für mich zum Absurdesten, was das politische System der Bundesrepublik hervorgebracht hat. Honorardebatten wie jetzt erscheinen mir als absurdes Theater, das für Außenstehende völlig undurchdringbar ist. Bezahlen müssen sie es trotzdem.

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