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Der CDU-Vorsitzende sieht sich mit 60 Jahren in einem "guten Alter für Vieles", auch für das Kanzleramt. Martin Rupps widerspricht - aus eigenem Erleben: Er gehört derselben Generation wie Armin Laschet an.

Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet ist 60 geworden. Mein Kollege Uwe Lueb fragte ihn im "SWR Interview der Woche", ob 60 das richtige Alter sei, um Bundeskanzler zu werden. "Es ist ein gutes Alter für vieles" drückte sich Armin Laschet ein bisschen um die Antwort – und damit auch um eine Aussage, ob er sich für diese Aufgabe zu jung oder zu alt fühlt.

Armin Laschet, CDU-Vorsitzender (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Flashpic | Jens Krick)
Armin Laschet, CDU-Vorsitzender picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Es kann keine Faustregel geben, wann jemand zu jung oder zu alt für das Kanzleramt ist. Das hängt von der geschichtlichen Situation ab und von der jeweiligen Persönlichkeit. Gleichwohl gibt es nach meinem Dafürhalten gute Gründe anzunehmen, dass Armin Laschet in der Bundesrepublik Deutschland des Jahres 2021 zu spät kommt.

Großgeworden mit Wählscheibentelefon im Kalten Krieg

Armin Laschet gehört wie ich der sogenannten Babyboomer-Generation an. Mit uns erblickten in beiden Teilen Deutschlands so viele Kinder das Licht der Welt wie nie vorher und nie mehr danach. Unsere Sozialisation kannte technisch, sozial und politisch feste Größen. Die Technik war analog, fass- und begreifbar – nicht virtuell! Für viele Babyboomer galt, dass wenn sie einige Jahre in die Bildung stecken würde, ihnen ein auskömmliches Berufsleben ziemlich sicher war. Das politische Weltbild lernten wir in der "Tagesschau". Im Kalten Krieg war die Welt klar geteilt.

Diese Zeit ist gefühlt tausend Jahre her. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erleben einen radikalen Wandel. Der Babyboomer Armin Laschet glaubt trotzdem, politisch die richtigen Antworten geben zu können. Mit seiner biographischen Prägung (die auch meine ist) muss ihm vieles im gegenwärtigen Deutschland emotional fremd sein. Etwa das Drittel der wirtschaftlich Abgehängten oder eine Generation, die keine Aussicht auf eine auskömmliche staatliche Altersversorgung hat.

Natürlich, Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. 60-Jährige können im Kopf Jungspunde sein. Armin Laschet zählt für mich nicht dazu.

Berlin

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