Porträtfoto von SWR2 Aktuell Moderatorin Constance Schirra (Foto: SWR)

"Zwei Minuten": Die Kolumne zum Wochenende

Willkommen in der Realität

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Elf Tage konnte der amtierende CDU-Parteichef nichts von außen hören, spüren, sehen. Und dann… schrumpfte er, bemerkt Constance Schirra in ihrer Kolumne.

Der frühere US-Präsident, der orangefarbene, der mit der tollen Föhn-Frisur, verflixt… der Name fällt mir nicht ein, jedenfalls… der lebte in einer schönen eigenen Welt. Die Realität? Hatte er vergessen. Egal, was um ihn herum passierte, was andere sagten, was Zahlen bewiesen - er lebte in dem Bewusstsein: Ich bin der Größte, das Beste, was dem Land je passieren konnte. Irgendwie auch beneidenswert. Oder?

Die Kolumne von Constance Schirra können Sie hier auch als Audio hören:

Ich könnte mal Armin Laschet danach fragen. Der müsste das wissen. Am Wahlabend bekam er nämlich einen Auftrag von den Wählerinnen und Wählern, er nahm ihn dankend an und erklärte sich bereit, ins Kanzleramt einzuziehen. Man rieb sich verwundert die Augen, rechnete nach, kam immer zu demselben Ergebnis: Der Mann hat seiner Partei einen Riesen-Verlust beschert! Die Union ist hinter der SPD! Auf Platz zwei! Das ist die Realität. Wieso meint er denn bloß, er hätte irgendwie gewonnen?

Weil es Machtverlust in der Welt eines und dieses CDU-Parteichefs nicht gibt. Wo käme Deutschland denn hin, wenn es nicht von der Union regiert würde, also bitte! Elf Tage lang tat Armin Laschet so, als sei es Gesetz, dass die CDU, dass er das Kanzleramt besetzt, dass schlussendlich schon alle zur Vernunft kommen werden und ein Jamaika-Bündnis unter seiner Führung künftig das Land regiert. Ich glaube, er war wirklich überzeugt davon. Die Kritik der Parteifreunde, die verbalen Schläge des Bruders von der Schwesterpartei, die Flucht der eigenen Anhänger - Armin Laschet konnte es elf Tage lang nicht hören, spüren, sehen. Schönes Leben in einer eigenen Welt. Realität? Vergessen. Beneidenswert. Oder?

"Erst das Land, dann die Partei, dann die Person"

Bis Donnerstagabend. Da - endlich! endlich! - sagte Laschet… nein, nicht, dass er zurücktritt, aber immerhin sagte er: Erst das Land, dann die Partei, dann die Person. Und irgendwie war es, als sei er in dem Moment geschrumpft: Die Kanzlerschaft - weg. Der Parteivorsitz - bald weg. Sollte doch noch eine Jamaika-Koalition zustande kommen - ohne ihn. Es muss ein bitterer Moment für ihn gewesen sein… Aber: Realistisch! Und übrig bleibt: Armin Laschet. Darauf können wir uns verlassen. MIR ist er so auch viel sympathischer.

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