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Selbst allerhöchste Patriarchen alter Schule kommen vor deutschen Gerichten nicht mehr glimpflich davon, meint Martin Rupps nach der Berliner Anklage gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn Anklage wegen uneidlicher Falschaussage erhoben. Der Ex-Manager soll im Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Abgasaffäre gelogen, weil früher als behauptet von Manipulationen gewusst haben. Wegen des Dieselskandals selbst muss sich Martin Winterkorn bereits ab September vor dem Landgericht Braunschweig verantworten. 

Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn (Foto: dpa)
Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn soll laut der Berliner Staatsanwaltschaft im Untersuchungsausschuss des Bundestags gelogen haben dpa

"Donnerwetter!", habe ich beim Lesen der Nachricht gedacht. Die Justiz knöpft sich einen Mann vor, der bis vor wenigen Jahren für die glanzvolle Autonation Deutschland stand. Das Signal ist eindeutig: Selbst ein Mann mit so viel Macht und Ansehen kann im Rechtsstaat Deutschland noch einmal tief fallen. Wie schon Uli Hoeneß, Rupert Stadler und Co..

Trotz einer Reihe angeklagter oder verurteilter Promis erscheint mir dieses konsequente Vorgehen der Justiz als noch junges Phänomen. Sogar allerhöchste Patriarchen alter Schule müssen inzwischen, wenn Substantielles gegen sie vorliegt, in Deutschland vor Gericht. Das wäre vor 20 und noch mehr vor 30 Jahren genauso wünschenswert, aber weniger erwartbar gewesen. Ich glaube, der frühere Postchef Klaus Zumwinkel und der "Kaiser" kamen glimpflicher davon. Solche Entscheidungen trifft eine Staatsanwaltschaft nie allein. Es braucht den Geist der Zeit dazu und das breite Kreuz der Politik.

Die massenhaften Steuerhinterziehungen reicher Leute, bekanntgeworden durch "Steuer-CDs", und der Abgasskandal haben Politik und Justiz gegenüber der Wirtschaft gestärkt. Sportfunktionäre und Manager pflegen ihre Triumpfe laut zu feiern. Triumpfe des Rechtsstaats kommen leise daher.

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