Gemeinsam gegen Rassismus (Foto: SWR)

#MeTwo: Das schwierige Leben zwischen zwei Welten "Da sitzt ein tiefer Schmerz"

AUTOR/IN

Die lebhafte Debatte um #MeTwo zeigt: Rassismus in Deutschland gehört zum Alltag. Für Michael Roth, Staatsminister im Auswärtigen Amt, ein Appell, mehr gegen Ausgrenzung zu tun.

Unter #MeTwo berichten Deutsche mit Migrationshintergrund über erlebten Alltagsrassismus. Im Gespräch mit dem SWR betont der SPD-Politiker Michael Roth jedoch: "Wenn man über die eigenen, negativen Erfahrungen berichtet, heißt das ja nicht, dass alles schlecht läuft."

In Deutschland gebe es ein neues Staatsbürgerschaftsrecht "und wir bekennen uns inzwischen in einem breiten politischen Konsens dazu, ein Einwanderungsland zu sein", so Roth. Daher sei es umso bestürzender, "dass es immer noch Menschen gibt, die ausgegrenzt werden, weil sie anders heißen, anders aussehen und sich vielleicht auch anders geben."

"Mich bedrückt diese Debatte sehr"

Unsere Gesellschaft werde durch die Verständigung auf gemeinsame Werte zusammengehalten, durch das Teilen von gemeinsamer Tradition, das Achten auf Recht und Gesetz. "Was aber aussteht, ist eine Verständigung darüber, wie viel Vielfalt in einer immer bunter werdenden Republik möglich ist", erklärt Roth.

"Mich bedrückt diese Debatte sehr, weil ich ganz persönlich unterschätzt habe, dass es für viele Menschen immer noch diese Zumutung des Alltagsrassismus gibt. Sie fühlen sich ausgegrenzt, verletzt und diskriminiert. Da sitzt ein tiefer Schmerz und den können wir nicht einfach ignorieren."

Jugendliche engagieren sich gegen Fremdenfeindlichkeit (Foto: SWR)
Engagement von Jugendlichen hilft, früh gegenseitiges Verständis zu wecken

"Wir müssen diese Stimmen ernst nehmen"

Die auf Twitter in Gang gesetzte Debatte unter #meTwo sieht Roth nicht als ein Schlechtreden von Deutschland, sondern eher als einen Appell, noch mehr zu tun: "Wir müssen diese Stimmen wirklich ernst nehmen. Denn in einem Land, in dem es immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund gibt, muss es uns gelingen, dass sich auch die Menschen heimisch fühlen, die nicht hier geboren sind oder deren Familien noch nicht seit Jahrzehnten hier in Deutschland fest verwurzelt sind."

Im Bundestag sitzen immer mehr Kinder oder sogar Enkel von Migranten. Mitglied der Bundesregierung ist mit Justizministerin Katarina Barley (SPD) eine Frau mit britischem Vater.

Für Roth steht außer Zweifel, dass diese Menschen Vorbilder für andere Menschen mit ausländischen Vorfahren sind: "Ich habe das bei meiner Freundin Aydan Özoğuz persönlich erlebt. Sie war vier Jahre lang Integrationsministerin und hat vielen Mut gemacht, dass man es schaffen kann."

Das gelte für Menschen, die eine ethnische, sexuelle, kulturelle oder religiöse Minderheit repräsentieren: "Es ist wichtig, dass solche Menschen unabhängig von ihrer eigenen Herkunft einen Zugang an die Spitze des Staates, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Medien haben. Aber es sind noch viel zu wenige."

AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG