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Corona wirbelt auch den Unterricht an Deutschlands Schulen heftig durcheinander. Vor allem die Abschlussklassen stellt das vor Herausforderungen. Der Lernstoff wurde deshalb vielerorts reduziert.

Nach einem Jahr Corona-Schule mit vielen Unterrichtsausfällen und nur streckenweise funktionierendem Fernlernen, geht es für die Abschlussklassen in Deutschland nun auf die Zielgerade. Wegen des ausgefallenen Unterrichts wird über leichtere Prüfungen diskutiert.

Die Kultusministerkonferenz hat sich darauf verständigt, beim Abitur 2021 nur das Kerncurriculum zu prüfen. Das sind die 75 Prozent des Lehrstoffes, die sowieso schon im Bildungsplan festgelegt sind. Die 25 Prozent freien Themen, die die Schulen selbst auswählen können, dürfen wegfallen.

Künftige KMK-Vorsitzende: Abiprüfungen finden trotz Corona statt

Die künftige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), die brandenburgische Kultusministerin Britta Ernst (SPD), geht davon aus, dass die Abiturprüfungen in diesem Jahr trotz des Infektionsgeschehens durch die Corona-Pandemie stattfinden können. Im SWR sagte Ernst: "Wir haben im letzten Jahr bei geschlossenen Schulen das Abitur durchgeführt, die Abstände und Hygieneregeln gewahrt. Wir werden auch in diesem Jahr alles dafür tun, dass es stattfindet."

Alternativpläne in Vorbereitung

Ernst bestätigte im Interview aber auch, dass die Kultusministerkonferenz Alternativpläne ausarbeite. "Wenn das Infektionsgeschehen uns auch im Februar, März und vielleicht auch April noch so im Griff hält, dass der Präsenzunterricht sehr eingeschränkt ist, werden wir über Modifikationen nachdenken." In Berlin-Brandenburg sei bereits entschieden worden, dass die Schülerinnen und Schüler bei den Abiturprüfungen eine zusätzliche Aufgabe bekämen. So könne die Schule bereits eine Vorauswahl vor dem Hintergrund der vermittelten Unterrichtsinhalte treffen, so Ernst. Diese und andere Ideen werde man Ende Januar in der KMK besprechen.

Die meisten Bundesläner haben die Abschlussprüfungen auch bereits nach hinten verlegt, berichtet Anja Braun aus der SWR-Redaktion Wissenschaft und Bildung im Gespräch mit SWR Aktuell:

Abitur in Rheinland-Pfalz bereits gestartet

In Rheinland-Pfalz haben 12.000 Abiturientinnen und Abiturienten bereits in der ersten Januarwoche mit den schriftlichen Abiturprüfungen begonnen. Diesen habe man schon zu Beginn des Schuljahres im Herbst gesagt, bitte konzentriert euch auf die zentralen Themen und lasst den Rest bei Zeitnot einfach weg, so eine die Pressesprecherin des Bildungsministeriums.  

Eine zeitliche Verschiebung der Abschlussprüfungen gibt es in Rheinland-Pfalz nicht - in anderen Bundesländern dagegen schon. Damit soll den Schülern mehr Zeit zum Lernen gegeben werden.

Auch Baden-Württemberg reduziert Lernstoff

Auch in Baden-Württemberg können die 25 Prozent freien Prüfungsthemen weggelassen werden. Dadurch werde mehr Zeit zum Wiederholen und Einüben von verpasstem Lernstoff gegeben. Das gelte auch für alle Schularten, so das Kultusministerium auf eine Anfrage des SWR.  

Baden-Württemberg hat außerdem festgelegt, dass beim schriftlichen Abitur mehr Aufgaben zur Vorauswahl angeboten werden. So können Lehrer besser die Themen und Aufgaben auswählen, die ausführlich im Präsenzunterricht behandelt wurden und bei denen sie sich sicher sind, dass diese Themen in ausreichendem Maße thematisiert und verstanden wurden. Auch bei den Korrekturen, sollen die Lehrer die besonderen Umstände dieses Schuljahres berücksichtigen, heißt es aus dem Kultusministerium.

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Eltern fordern weitergehende Maßnahmen

Vielen Eltern reichen diese Maßnahmen jedoch nicht aus. Sie fordern, dass weniger Druck für die Schüler gemacht wird. So haben Elternbeiräte in Baden-Württemberg das Kultusministerium in einem offenen Brief aufgefordert die Notengebung und Notenpflicht zu überdenken. Klassenarbeiten sollten reduziert werden. Ein Großteil der Noten könnte aus allen Eindrücken, welche die Schüler hinterlassen haben, gebildet werden, heißt es.

Notengebung durch reine Wissensstandmessung ist problematisch, wenn zeitweise - tage- bis wochenlang - der Präsenzunterricht nicht besucht werden kann.

Elternbeiräte in einem Brief an das Kultusministerium BW

 Schüler wollen Abi nicht geschenkt bekommen

Auch der deutsche Philologenverband fordert, dass die Kultusminister die schwierigen Bedingungen der Abiturientinnen in diesem Jahr berücksichtigen sollen.

Die Bundesschülerkonferenz weist darauf hin, dass es sehr unterschiedliche Lernbedingungen zu Hause und in den Schulen gebe. Das müsse bei den Abschlussprüfungen dringend beachtet werden. Die Schüler wollen aber auf keinen Fall, dass der Eindruck entsteht, dass sie das Abitur geschenkt bekommen würden. Denn damit würde ihr Abschluss entwertet. Und davor fürchten sich die Abiturienten dieses Abschlussjahres sowieso schon.  

 Erleichterungen auch an Realschulen

Auch die Realschüler sollen bundesweit Erleichterungen erhalten. In Baden-Württemberg sollen sie mehr Auswahlmöglichkeiten bei den Abschlussaufgaben bekommen, außerdem soll es keine Fremdkorrektoren für die Prüfungen geben. So soll sichergestellt werden, dass die Lehrer die jeweilige Situation ihrer Schüler individueller bewerten könnten.  

In Rheinland-Pfalz gibt es keine zusätzlichen Abschlussprüfungen an Realschulen. Dort wird der Notenschnitt aus den Abschlussnoten des Schuljahres als Endnote gesetzt. 

Viele Bundesländer verzichten auf zusätzliche Hauptschulprüfungen

Zahlreiche Bundesländer verzichten in diesem Jahr auch auf zusätzliche Prüfungen an Hauptschulen. So haben bereits Hamburg, Bayern, Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Thüringen erklärt, die Abschlussnoten in den einzelnen Fächern würden aus den Unterrichtsleistungen des letzten Schuljahres gebildet. 

In Rheinland-Pfalz ist dieses Vorgehen schon seit einigen Jahren gängige Praxis. Zusätzliche Hauptschulabschlussprüfungen gibt es dort nicht.

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