SWR  (Foto: SWR)

YouTuber rechnet mit Parteien ab. Ein Kommentar CDU, SPD, AfD? Fucking heftig!

Der YouTuber Rezo zerpflückt die Politik von Union und SPD der letzten Jahre. Sein Video wird über drei Millionen Mal geklickt. Ein Lehrstück über moderne politische Kampagnenarbeit, meint Martin Rupps.

Der YouTuber Rezo rechnet in einem Video mit der Regierungspolitik von Union und SPD der letzten Jahre ab. Sein Beitrag zum Europawahlkampf ist bereits über drei Millionen Mal aufgerufen worden. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak kommentierte das Video mit dem Hinweis, er sei "nicht bereit, auf komplexe Fragen einfache Antworten zu geben".


In der ersten Hälfte des Videos konfrontiert Rezo von Union und SPD selbst gesteckte Ziele mit der Wirklichkeit. Das ist – Originalton Rezo – "fucking heftig". Entgegen aller Absichtserklärungen ging die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Die Steuerlast der Reichen sank, die der Armen stieg. Die Bundesregierung investiert anteilig viel weniger Geld in Bildung als andere Länder. Mit dem Kohleabbau, der Rezo viel zu lange dauert, "zerstört die CDU die Umwelt mit unseren Steuergeldern".

Das Zerstörungsmotiv durchzieht das ganze Video. Der 26-Jährige spricht drastisch, aber reflektiert. Die Fakten, die er nennt, sind nicht zu bestreiten. Doch im zweiten Teil rutscht der YouTuber in naive Polemik ab: Deutschland soll den USA verbieten, dass sie Kriegswaffen vom Militärstützpunkt Ramstein aus steuern.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak reagiert auf das Video verschnupft: Er sei nicht "bereit, auf komplexe Fragen einfache Antworten zu geben". (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Picture Alliance/Picture Alliance)
CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak reagiert auf das Video verschnupft: Er sei nicht "bereit, auf komplexe Fragen einfache Antworten zu geben". Picture Alliance/Picture Alliance

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, übrigens nur sieben Jahre älter als Rezo, redet das Video als " ganz persönliche Meinung" klein. Dass sich Millionen Menschen dafür interessieren, ignoriert er. Eine arrogante Reaktion. Ziemiak will offenbar die Wirkung eines solchen Videos nicht wahrhaben. Wahlkämpfe werden heute auch im Netz geführt – und verloren.

AUTOR/IN
STAND