Die Verhandlungen bei der UNO-Klimakonferenz dauern länger als geplant. (Foto: picture-alliance / dpa)

Uneinigkeit auf Weltklimakonferenz Streit um 1,5 Grad - kein Abschluss in Sicht

Immer noch ringen fast 200 Staaten auf der Weltklimakonferenz um einen Abschluss. Knackpunkt ist eine schärfere Begrenzung der Erderwärmung.

Eigentlich sollte die UNO-Klimakkonferenz nach zwei Wochen Verhhandlungen seit gestern beendet sein. Doch die Abschlusserklärungen wurden zunächst auf heute Mittag vertagt, und sind nun weiter verschoben worden.

Hauptstreitpunkt ist, wie die fast 200 teilnehmenden Staaten mit dem neuesten Bericht des Weltklimarates umgehen. Die vom Klimawandel gefährdeten Inselstaaten ziehen nämlich daraus den Schluss, dass ausschließlich 1,5 Grad Erderwärmung zur neuen Messlatte für die Klimschutz-Bemühungen der Staaten werden müsse. Sie befürchten: Wenn dies im Ergebnis von Kattowitz nicht deutlich werde, könne es sein, dass es nie mehr gelinge, diesen Wert zu verankern.

UNO-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz (Foto: picture-alliance / dpa, Monika Skolimowska)
Kein Ende für die UNO-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz in Sicht Monika Skolimowska

Bislang richten die Länder ihre Pläne auf 2 Grad aus. Saudi-Arabien, Russland und die USA wehren sich gegen so viel neuen Druck. Eine Koalition ehrgeiziger Staaten, darunter Deutschland und die Europäische Union, will den Bericht zumindest deutlich begrüßen.

Bei einem weiteren Streit zwischhen Brasilien und den anderen Staaten geht es um den Klimagashandel. Dieses Problem könnte jedoch laut Beobachtern vertagt werden.

Ziel: Regeln für die Praxis nach dem Pariser Abkommen

Es geht vor allem um einen Plan, wie die Klima-Beschlüsse von Paris umgesetzt werden können. Vereinbart wurde damals, die Erwärmung der Erde unter 2 Grad zu halten, möglichst sogar auf 1,5 Grad. Die zugesagten Maßnahmen der Staaten reichen dafür aber bei weitem nicht aus.

Dauer

Deutsche Umweltorganisationen forderten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Nacht auf, zum Erfolg des Klimagipfels beizutragen. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CDU) drängte auf Hilfe für weniger entwickelte und vom Klimawandel bedrohte Staaten. "Wenn die Inselstaaten und am wenigsten entwickelten Länder dramatische Appelle an uns richten, weil sie ums Überleben von Millionen Menschen kämpfen, dann müssen wir handeln", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

"Denn am Ende geht es nicht um Paragrafen, sondern um Menschenleben."

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CDU)

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte in Kattowitz, was bisher auf dem Tisch liege, sei eine gute Grundlage, reiche aber nicht.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) (Foto: picture-alliance / dpa)
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD)

Ein Konflikt auf der Konferenz ist, dass die ärmeren und vom Klimawandel besonders betroffenen Staaten verlässliche und längerfristige Finanzzusagen wollen. Zudem fordern sie eine öffentlich sichtbare Anerkennung der Schäden, die Klimawandel-Folgen wie Hitze, Dürre oder Überschwemmungen anrichten.

Proteste auf der ganzen Welt

Tausende Umweltschützer demonstrierten seit Tagen für schnellere Maßnahmen gegen die globale Erderwärmung. Gestern gingen in Deutschland vor allem Schüler auf die Straße und verlangten von der Klimakonferenz konkrete Beschlüsse. Auch in Stuttgart und Karlsruhe nahmen mehrere hundert Jugendliche an Kundgebungen teil.

Demonstration in Katowice (Foto: picture-alliance / dpa)
Umweltschützer protestierten in Katowice am Konferenzort. Doch in vielen Ländern gingen Menschen für mehr Umwelt- und Klimaschutz auf die Straße.
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