Rote Aids-Schleifen liegen als Anstecknadeln (Foto: picture-alliance / dpa, Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild)

Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam Die Debatte schläft, das Virus nicht

AUTOR

In Europa sinkt die Angst vor Aids - auch wegen besserer Therapien. Doch das HI-Virus breitet sich aus, gerade in Osteuropa und Asien. Über den Umgang mit der Epidemie diskutieren Experten in Amsterdam.

"Tina! Was kosten die Kondome?" – der Fernsehspot aus den 80er Jahren hat Kultstatus. Die lautstarke Frage der Supermarktkassiererin, gespielt von Hella von Sinnen, bringt einen jungen Mann in Verlegenheit. Es war der erste Fernsehspot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Thema HIV/Aids.

In Deutschland sind vergleichsweise wenige Menschen infiziert

Damals stiegen die Infektionszahlen rapide an. Konservative Politiker dachten über die Internierung von Aids-Kranken nach. Heute sieht die Lage nach Angaben der Deutschen Aidshilfe anders aus: In Deutschland leben zurzeit nur etwa 90.000 Menschen mit HIV. Rund 3.100 Menschen infizieren sich jedes Jahr neu. Das ist im internationalen Vergleich eine sehr niedrige Zahl.

Allerdings leben in Deutschland etwa 13.000 Menschen, die von ihrer Infektion nichts wissen. Jedes Jahr erkranken daher rund 1.000 Menschen an Aids. Das will die Deutsche Aidshilfe ändern und hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt.

Ziel: Ab dem Jahr 2020 keine Neuerkrankungen mehr

Mit ihrer Kampagne "Kein Aids für alle!" will sie dafür sorgen, dass im Jahr 2020 in Deutschland niemand mehr an Aids erkranken muss. Die Vereinten Nationen haben dieses Ziel weltweit für 2030 ausgerufen.

Dazu passt der Plan von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass es die HIV-Prophylaxe PrEP (Präexpositionsprophylaxe ) in Zukunft für Risikogruppen auf Rezept geben soll. Die Medikamente verhindern eine Ansteckung mit dem Virus. Die Aids-Hilfe hat die Kostenübernahme als Meilenstein bezeichnet.

Gibt es bald den HIV-Selbsttest?

Um die Dunkelziffer bei den HIV-Infektionen zu senken, will das Bundesgesundheitsministerium zudem Selbsttests zulassen, mit denen jeder zunächst in den eigenen vier Wänden prüfen kann, ob er oder sie mit dem Virus infiziert ist. Noch im Herbst könnte die Neuregelung vom Bundesrat genehmigt werden.

AUTOR
STAND
ONLINEFASSUNG