Ein Weinberg in Eichstetten am Kaiserstuhl mit Blick auf die Breisgauer Bucht. (Foto: SWR)

Weinanbau rutscht nach Süden Profiteure des Klimawandels – die Winzer

Früher reichte es in Heilbronn gerade für Müller-Thurgau. Riesling wurde auch in Rheinland-Pfalz nicht immer reif. Heute gibt es Chardonnay und Cabernet Franc. Doch Hitze hat auch Tücken.

Wenn es Zeugen des Klimawandels gibt, dann sind das die Winzer. Sonne und Hitze sind im Südwesten der Normalfall und nicht mehr die Ausnahme. Reife ist kein Thema mehr. Im Vergleich zu vor 50 Jahren sind die Weinanbaugebiete quasi nach Süden gerutscht.

Der Huglin-Index rechnet Temperaturen zusammen

Der Huglin-Index ist ein Mass für das Bioklima. Je höher die Wärmesumme in der Vegetationszeit, desto eher wachsen dort auch anspruchsvolle Sorten. Noch in diesem Jahrhundert könnten am Kaiserstuhl Bedingungen herrschen wie früher an der Südlichen Rhone.

Harley & Wein - das etwas andere Weinfest in Ürzig. (Foto: SWR)
Beim Weinfest in Ürzig trinkt man hervorragenden Riesling.

Hitze bedeutet viel Alkohol, wenig Säure, andere Schädlinge

Der Wandel hat aber auch seine Tücken: Mit den neuen klimatischen Bedingungen kommen nicht alle Winzer zurecht. In Jahren wie 2003 oder 2018 waren überschwere und fade, säurearme Weine die Folge.

Auch sonst: Die Reben treiben zwei Wochen früher aus – das macht sie anfälliger für Spätfröste, und die wird es weiterhin geben. Hitzewellen mit 30 bis 40 Grad Celsius und hoher Sonnenstrahlung verursachen an den Trauben Sonnenbrand und Hitzeschäden. Da reift dann auch nichts mehr, die Rebe macht Siesta. Auch zerkochte Beeren kannten wir bisher nicht. Zudem fühlen sich neue Schädlinge, etwa die Rebzikade, und andere Pilze bei uns wohl – zum Leidwesen der Winzer.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Wie die Winzer im Südwesten reagieren müssen

Mit Riesling zum Beispiel – in Rheinland-Pfalz die Hauptsorte – muss man wegen der Klimaveränderung anders umgehen: Um die Frische und die Frucht zu erhalten, die diese Sorte braucht und auszeichnet, gehen die Winzer zum Beispiel aus den ganz heißen Lagen weg – höher den Berg hinauf zum Beispiel, wo es kühler ist, oder auch in eine eher nördliche Lage. Und man muss die Lesetermine früher planen und auf die Säure achten, damit sie nicht völlig zerfällt.

Die Schwankungen beim Wetter sind im Südwesten größer geworden in den letzten Jahren. Man kann weniger nach Schema F arbeiten und muss flexibler entscheiden. Durch den früheren Beginn ist die Wachstumszeit etwa zwei Wochen länger und macht deshalb den Anbau anderer Sorten möglich. Merlot etwa und Chardonnay halten im Weinbau jetzt als neue Sorten Einzug.

Insgesamt hat der Weinanbau durch den Klimawandel deutlich gewonnen. Auf absehbare Zeit bleiben die Winzer in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wohl unter dem Strich Begünstigte des Klimawandels. Das kann man nicht von vielen Menschen sagen.