Türkei, Akcakale: Rauchschwaden steigen nach einer Bombardierung durch türkische Streitkräfte auf der syrischen Seite des Grenzgebietes auf. (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Lefteris Pitarakis/AP/dpa)

Kämpfe in Nordsyrien Über 100.000 Syrer fliehen vor türkischer Militäroffensive

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Wenige Tage nach dem Einmarsch der Türkei in Nordsyrien ist die humanitäre Lage kritisch. Über 100.000 Menschen sind auf der Flucht - offenbar auch hunderte Angehörige von IS-Kämpfern, die aus einem Gefangenenlager entkommen sind.

Rund 130.000 Zivilisten sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) aus dem syrischen Grenzgebiet zur Türkei vertrieben worden. Laut UN mussten Lager, in denen schon früher syrische Binnenvertriebene untergekommen waren, verlegt werden.

Das Bombardement der türkischen Streitkräfte hat laut Angaben der Vereinten Nationen zu einem teilweisen Ausfall der Strom- und Wasserversorgung geführt. Fast eine halbe Million Menschen sei davon betroffen. Zu Toten und Verletzten gibt es höchst unterschiedliche Zahlen. So sprechen die türkischen Streitkräfte von fast 500 getöteten kurdischen Milizionären. Die YPG, die von der Türkei als Ableger der verbotenen PKK betrachtet werden, sprechen von etwas mehr als 20 getöteten Kämpfern.

IS-Angehörige flüchten aus Lager

Mehrere hundert Frauen und Kinder seien nach Luftangriffen der türkischen Armee aus einem Gefangenenlager in Ain Issa geflohen, so kurdische Angaben. Die knapp 800 Angehörigen von Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) stammten demnach alle aus dem Ausland. Sie seien laut Behörden auf das Wachpersonal losgegangen und dann aus dem Lager ausgebrochen. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte verließen die Wachen jedoch das Lager, nachdem es in der Nähe Gefechte der türkischen Armee mit kurdischen Kämpfern gegeben hatte.

Zuvor waren bereits vereinzelt die IS-Terroristen aus Lagern ausgebrochen. Der IS ist also offenbar Nutznießer der unübersichtlichen Lage im Nordosten Syriens. Die Kurden und die EU hatten zuvor davor gewarnt, dass die Militäroffensive der Türkei gegen die Kurdenmiliz YPG auch IS-Terroristen die Chance zur Flucht verschaffen könnte.

Offenbar kurdische Menschenrechtlerin getötet

Derweil teilten die von Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mit, dass die kurdische Politikerin und Menschenrechtlerin Havrin Khalaf auf einer Landstraße in einen Hinterhalt geraten sei. Khalaf war Generalsekretärin der Partei Zukunft Syriens (FSP). Die SDF machen die Türkei für ihren Tod verantwortlich - von türkischer Seite gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

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