Ein Maschine von Ryanair befindet sich im Anflug auf den Frankfurter Flughafen. (Foto: dpa Bildfunk, Andreas Arnold)

Wegen Boeing-Krise: Ryanair denkt über Airbus-Käufe nach

Nach zwei Abstürzen müssen alle Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max am Boden bleiben. Der US-Flugzeugbauer rechnet mit einer neuen Starterlaubnis ab Sommer. So lange will Großkunde Ryanair nicht warten.

Seit bald einem Jahr müssen alle 737 Max am Boden bleiben, Boeing hat die Produktion vorübergehend eingestellt. Die zwei Abstürze mit 346 Toten haben Seattle nicht nur viel Geld gekostet, auch das Vertrauen der Kunden ist futsch.

Gerade wurde bekannt, dass sich der Flugzeuggigant aus Seattle zehn Milliarden Dollar leihen muss, um über die Runden zu kommen. Pro Monat kostet das 737 Max-Debakel Boeing rund eine Milliarde Dollar, schätzen Analysten.

Boeing-Krise setzt Airlines zu

Und auch die Kunden leiden: vor allem Billigflieger setzen auf Maschinen eines Herstellers und nutzen dabei oft einen einzigen Typ. Nur so ließe sich das Geschäftsmodell betreiben, sagt Luftfahrtexperte Andreas Späth im SWR: alle Piloten könnten mit einer Lizenz alle Maschinen fliegen, Flugzeuge können jederzeit auf allen Routen eingesetzt und getauscht werden. Außerdem spart man bei der Wartung.

Bei Amerikas größtem Lowcost-Carrier SouthwestAirline brach der Gewinn deshalb gerade um mehr als eine halbe Milliarde Dollar ein. Die Airline besitzt 34 Maschinen des Typs 737 Max, die bis auf weiteres aus dem Flugplan genommen wurden. Eigentlich sollte Southwest sogar 75 Boeing 737 Max betreiben, die aber wegen des Flugverbots derzeit nicht ausgeliefert werden können.

737 Max bleibt vorerst am Boden

Boeing hofft, im Sommer wieder eine Starterlaubnis für den Unglückstyp zu erhalten und die Produktion dann wieder aufzunehmen. Allerdings müssen Piloten dann auf den modifizierten Typ der 737 Max geschult werden. Dafür gibt es aber nur wenige Flugsimulatoren, sagte Luftfahrtexperte Spät.

Ryanair wird unruhig

Hart trifft es auch Europas größten Billigflieger Ryanair: die Iren fliegen ausschließlich Jets vom Typ Boeing 737-800. Die sollten allerdings nach und nach durch 135 bestellte 737 Max ersetzt werden. Angesichts der Boeing-Krise wird man jetzt bei Ryanair unruhig.

Denn weil Ryanair eine eigene Version des Typs in Auftrag gegeben hat, in die bis zu 210 Passagiere passen und für den zusätzliche Notausgänge eingebaut werden müssen, dauert es womöglich noch länger, bis Boeing liefern kann. Expansionspläne kann Ryanair damit erstmal auf Eis legen.

Wechsel zu Airbus nicht unproblematisch

Allerdings kann Ryanair auch nicht ohne weiteres seine Boeing-Order canceln und stattdessen Airbus-Maschinen des neuen Typs A320neo kaufen: denn auf die Idee sind schon andere gekommen und deshalb kommt man in Toulouse mit der Produktion nicht mehr hinterher: „Wenn Sie heute einen neuen Airbus bestellen, dann wird der frühestens 2025 geliefert“, erklärt Luftfahrtexperte Späth.

So lange könne Ryanair nicht warten und rücke deshalb wohl auch von der Hauspolitik ab, nur die neusten Maschinen eines Typs zu fliegen. Derzeit denke Firmenchef o’Leary darüber nach, erstmals auch gebrauchte Airbus-Flugzeuge zu kaufen.

STAND