Waschsalon-Kultur in Hongkong Wenn aus Platzmangel ein hipper Trend entsteht

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Kein Platz für Waschmaschine und Trockner in der eigenen Bude: Junge Leute in Hongkong machen aus der Not eine Tugend - und verbringen ihre Freizeit im Waschsalon-Café.

In Chinas Sonderverwaltungszone Hongkong ist Wohnraum so teuer und begehrt, dass immer mehr - vor allem junge - Menschen in so genannten Micro-Apartments wohnen. Eine Waschmaschine passt dort meist nicht mehr rein, auch zum Aufhängen nasser Wäsche ist kein Platz.

Barista in einem Waschsalon in Hongkong (Foto: Steffen Wurzel)
Barista im Waschsalon: Harbie Chan Steffen Wurzel

Deswegen machen in der früheren britischen Kolonie immer mehr Waschsalons auf. Viele haben sich zu einem beliebten Alltags-Treffpunkt zum Abhängen und Kaffee trinken entwickelt.

Der kleine Laden von Katol Lo im Hongkonger Stadtteil Sheung Wan sieht nicht aus wie ein normaler Waschsalon: Er wirkt gemütlich, elegant - und sogar ein bisschen edel. Das liegt nicht nur an den blitzeblank geputzen Waschmaschinen, sondern auch an der kompletten Holzvertäfelung und der großen Kaffee-Bar. Entsprechend heißt der Laden auch: Coffee and Laundry.

"Wir unterscheiden uns von normalen Waschsalons. Die wirken häufig etwas schmuddelig, obwohl es dort eigentlich um Sauberkeit geht. Meine Partnerin ist Künstlerin, sie arbeitet viel mit Holz, deswegen sieht es hier entsprechend aus", erklärt Katol Lo.

Drei Arten von Kunden kommen ins "Coffee and Laundry"

Katols Geschäftspartnerin Harbie Chan - Dreadlocks, Tattoo auf dem Hals - ist ausgebildete Barista, also Kaffee-Expertin. Sie steht hinter der Theke an der riesigen italienischen Espressomaschine.

Drei Arten von Kunden kommen regelmäßig, erklärt sie: "Diejenigen, die ihre Wäsche machen und währenddessen einen Kaffe trinken und hier abhängen. Außerdem kommen viele Leute, die in der Gegend arbeiten und nur einen Kaffee trinken. Und drittens: Anwohner und Touristen, die hier einfach nur ihre Wäsche machen."

Wäschewaschen oft erst um Mitternacht

In den vergangenen Jahren haben in Hongkong eine Menge neue hippe Waschsalons aufgemacht. Was auch am chronischen Mangel an bezahlbarem Wohnraum liegt, erklärt Katol.

Die meisten Menschen in Hongkong lebten in sehr kleinen Wohnungen, viele in WG-Zimmern, erzählt der 35-Jährige. "Dort ist häufig kein Platz für eine Waschmaschine. Deswegen gibt's eine riesige Nachfrage nach Waschsalons. Und weil die Arbeitszeiten so lang sind, kommen viele erst um Mitternacht, um ihre Wäsche zu waschen."

Kein Platz für Waschmaschinen - erst recht nicht für Trockner

In Hongkong ist es das ganze Jahr über sehr schwül. Die Luftfeuchtigkeit ist viel höher als in Europa. Wäsche wird nur langsam trocken, also gehört ein Trockner für die meisten Menschen  einfach dazu.

Das verschärft das Platzproblem, sagt Barista Harbie Chan: "Wir nutzen unseren wenigen Wohnraum lieber für wichtigere Dinge statt für Waschmaschinen oder Trockner. Deswegen sind Waschsalons sehr beliebt, weil sie beim Platz sparen helfen."

Der hippe Ort zum Abhängen

Rund fünf Euro kostet eine Ladung Wäsche in Katols Laden, inklusive Trockner. Eine Latte Macchiato von der Kaffeebar kostet knapp drei Euro.

Die Leute sollen bei ihm in Ruhe ihre Wäsche waschen, Kaffee trinken und relaxen, wünscht sich Katol. Und tatsächlich hat sich sein Waschsalon, so wie viele andere in der Stadt, inzwischen zu einem hippen Ort zum Abhängen entwickelt.

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