Mark Zuckerberg (Foto: picture-alliance / dpa)

Einsatz von Cookies auf Patnerseiten Was Zuckerberg über Leute ohne Facebook-Profil weiß

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Nick Schader

Nach SWR-Recherchen sammelt Facebook Daten von Internet-Nutzern, die gar kein Facebook-Profil haben. Experten vermuten, dass daraus "Schattenprofile" entstehen.

Wie Facebook mit den Daten von Internet-Nutzern umgehe, sei „rechtlich äußerst problematisch“, teilte der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz- und Informationsfreiheit, Johannes Caspar, auf Anfrage des SWR mit. Er ist für Facebook zuständig, da sich in Hamburg die Deutschland-Zentrale des Unternehmens befindet.

Like-Buttons auf Seiten aller großen Parteien

Nach SWR Recherchen sammelt Facebook auch nach seiner neuen Datenrichtlinie auf Internet-Seiten von Kooperationspartnern Nutzer-Daten. Das passiert vor allem über Cookies beispielsweise die sogenannten Facebook-Like-Buttons.

Die Facebook-Like-Buttons befinden sich unter anderem auf den Internet-Seiten aller großen politischen Parteien, aber auch auf offiziellen Seiten von Ministerien. Auf Nachfrage des SWR bestätigte Facebook, dass dort Informationen über Nutzer erhoben werden – ohne dass der Nutzer den Button anklicken muss.

Facebook ist beim Einkauf dabei

Auch auf vielen kommerziellen Internetseiten hat Facebook Cookies oder andere Datenkraken platziert. Sie verraten dem Unternehmen nicht nur, welche Internetseiten jemand besucht hat, sondern auch, welche Produkte er gekauft hat – und zwar unabhängig davon, ob er ein Facebook-Konto hat oder nicht.

Diese Praxis hat Facebook in seiner neuen Datenrichtlinie nicht verändert, obwohl zahlreiche europäische Datenschutzbehörden das bereits bemängelt haben.

Datenschützer: "Schatten-Profile" werden gehandelt

Klicks auf Internetseiten von Parteien können Hinweise über die politische Gesinnung eines Internet-Nutzers geben. Welche Produkte jemand gekauft hat, lässt Rückschlüsse auf seine Interessen zu.

Damit könnten sogenannte Schatten-Profile von Nutzern angelegt werden, warnt der Hamburger Datenschutzbeauftragte. Er sagt, dass schon jetzt mit solchen Profilen gehandelt würde – zum Beispiel durch Online-Broker.

Facebook sammelt womöglich mehr Daten als zuvor

Ein Facebook-Sprecher bestritt in einer Stellungnahme, dass das Unternehmen selbst "Schattenprofile" von Nicht-Facebook-Nutzern anlegt, bestätigte aber prinzipiell, dass Facebook auch Daten von Nicht-Mitgliedern erhebt. Da Facebook nach SWR-Recherchen mit internationalen Datensammlern zusammenarbeitet, könnten diese Nutzer-Daten aber dort gesammelt werden.

Die Hamburger Datenschutzbehörde kritisiert zudem, Facebook sei gerade dabei, "noch mehr Daten als bisher zu erheben und zu nutzen". Das widerspreche einem wichtigen Prinzip der neuen Datenschutzgrundverordnung, die am 25.5. in Krafft tritt.

Gerichte müssen entscheiden

Mit der Facebook-Praxis in Sachen Datenschutz beschäftigen sich aktuell mehrere Gerichte – unter anderem das Berliner Kammergericht und der Europäische Gerichtshof. In seinem Schlussantrag für den Europäischen Gerichtshof hat der dortige Generalanwalt Yves Bot bereits klargestellt, dass die Betreiber von Internetseiten dafür verantwortlich seien, welche Daten an Facebook übermittelt werden. Ein Urteil in der Sache ist noch nicht gefallen. Im Berliner Verfahren läuft die Berufung des "Verbraucherzentrale Bundesverbandes".

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Nick Schader
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Christine Veenstra