Der Vorsitzende der Schwedendemokraten Jimmie Åkesson bei der Wahlparty (Foto: picture-alliance / dpa)

Rechtsruck bei Parlamentswahl Schweden vor schwieriger Regierungsbildung

Die Sozialdemokraten sind in Schweden stärkste Kraft geblieben - trotz des schlechtesten Ergebnisses seit mehr als hundert Jahren. Die rechten Schwedendemokraten haben deutlich zugewonnen.

Nach Auszählung von 99,8 Prozent der Wahlbezirke haben die Sozialdemokraten die Wahl mit 28,4 Prozent der Stimmen gewonnen. Die Schwedendemokraten erreichten mit 17,6 Prozent Platz drei hinter den konservativen Moderaten mit 19,8 Prozent.

Das endgültige Wahlergebnis dürfte erst am Mittwoch vorliegen, da spät abgeschickte Briefwahlstimmen noch ausgezählt werden müssen. Der schwedische Ministerpräsident Stefan Löven sagte, sein Land stehe vor einer historischen Zäsur.

Konflikt statt Kompromiss

"Die Schweden haben das Wir-Gefühl verloren", sagte die deutsch-schwedische Journalistin Suzanne Forsström im SWR. Die Rechtspoupulisten würden auf Konflikt statt Kompromiss setzen und offen den Unmut gegen Einwanderer schüren.

Schwierige Regierungsbildung

Durch ihr starkes Ergebnis verhindern die rechtspopulistischen Schwedendemokraten jede stabile Regierungsmehrheit für das rot-grüne oder das liberal-konservative Lager. Wer künftig Schweden regieren wird, ist völlig offen.

Welche Partei den Auftrag zur Regierungsbildung bekommt, entscheiden der Reichstag und der Reichstagspräsident am 24. September. Die Regierungsbildung wird voraussichtlich Wochen dauern, erwarten Beoabachter.

"Werden Einfluss gewinnen"

Die Verhandlungen werden deshalb so schwierig, weil keiner der traditionellen Blöcke allein regieren kann, bisher aber auch keine Partei ihr traditionelles Lager verlassen will. Eine Zusammenarbeit mit den Schwedendemokraten st für die Parteien jedoch auch keine Option.

Die aus der Neonazi-Szene gewachsene Partei der Schwedendemokraten profitierte bei der Wahl von der Angst der Menschen, die sich durch die Flüchtlingskrise von 2015 in der Bevölkerung verbreitete - ähnlich wie auch die Rechtspopulisten in Deutschland.

Jimmie Åkesson, Parteivorsitzender der Schwedendemokraten (Foto: picture-alliance / dpa)
Jimmie Åkesson, Parteivorsitzender der Schwedendemokraten

Der Parteichef der Schwedendemokraten, Jimmie Akesson, hatte auf bis zu 30 Prozent der Stimmen zu holen. Obwohl die Partei schlechter abschnitt als erwartet, erklärte Akesson nach der Wahl: "Wir werden in der schwedischen Politik echten Einfluss gewinnen."

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