Blick auf die syrische Grenzstadt Ras al-Ayn. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Lefteris Pitarakis/AP/dpa)

Treffen zwischen Putin und Erdogan Längere Waffenruhe für Nordsyrien

Dienstagabend wäre die erste Waffenruhe in Nordsyrien geendet, doch in einem Treffen einigten sich Putin und Erdoğan auf eine Verlängerung. Russland und Türkei wollen gemeinsam patrouillieren.

Die Türkei verlängert die zunächst bis zum Dienstagabend angesetzte Waffenruhe für Nordsyrien. Die Feuerpause soll ab dem Mittag weitere 150 Stunden gelten - das sind mehr als sechs Tage. Das teilte der russische Außenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen zwischen seinem Präsidenten Wladimir Putin und dessen türkischem Kollegen Recep Tayyip Erdoğan im russischen Sotschi mit.

Russland und Türkei wollen zusammen patrouillieren

Zudem werde Russland zusammen mit der Türkei in der so bezeichneten Sicherheitszone im syrischen Grenzgebiet zur Türkei Patrouillen organisieren, hieß es. die beiden Staatschef hatten sich zuvor mehr als sechst Stunden lang zu einem Vier-Augen-Gespräch getroffen.

Erdoğan nannte das Ergebnis des Treffens "historisch". "Heute haben wir mit Herrn Putin in Sachen Terrorbekämpfung, Gewährleistung der Integrität Syriens und der politischen Einheit sowie der Rückkehr der Flüchtlinge eine historische Vereinbarung unterzeichnet", sagte er in der Pressekonferenz mit Putin.

Nach den Vereinbarungen mit Russland sowie der Abmachung mit den USA, dass sich die syrisch-kurdischen Kämpfer von der Grenze zurückziehen, soll die Offensive in Nordostsyrien offenbar nicht fortgesetzt werden. Das teilte das türkische Verteidigungsministerium mit.

"Zu diesem Zeitpunkt gibt es keine weitere Notwendigkeit, eine neue Operation außerhalb des bestehenden Operationsgebietes durchzuführen."

Verteidigungsministerium der Türkei

Türkische Politiker hatten am Montag zuletzt deutlich gemacht, dass sie in Syrien eine sogenannte Sicherheitszone vom Euphrat bis zur irakischen Grenze einrichten wollen. Aus einem Streifen von 120 Kilometern Länge sollten bis 21 Uhr am Dienstag kurdische Milizen abgezogen sein.

Kurdische Soldaten beschimpfen US-Kollegen

Die Militäroffensive der Türkei richtet sich gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und wurde durch den Abzug der US-Truppen aus der Region ermöglicht.

Diese hatten am Montag Hunderte Soldaten mit ihren Fahrzeugen Richtung Irak abgezogen. Kurden bewarfen sie mit Kartoffeln und riefen ihnen Beschimpfungen nach:

Russen mit Assad, Erdogan mit arabischen Rebellen

Sicher ist: Die Entwicklung stärkt erneut die Rolle Russlands, das seit Jahren den syrischen Machthaber Baschar al-Assad unterstützt. Erdoğan hingegen unterstützt gegen Assad kämpfende Milizen. Russland wird aber durch seine Abkommen mit der Türkei immer stärker zum Zünglein an der Waage.

Derweil fordern CDU-Politiker, Europa solle in Nordsyrien eine Schutzzone einrichten - notfalls mit einigen zehntausend eigenen Soldaten, darunter auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Aus dem von SPD-Außenminister Heiko Maas geführten Außenministerium hieß es unterdessen, da bestehe noch Diskussionsbedarf.

REDAKTION
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