Plastikfolie mit bunten Partikeln (Foto: SWR)

Weltgesundheitsorganisation-Studie zu Plastik Das sollten Sie über Mikroplastik im Trinkwasser wissen

Die Verbreitung von Plastik-Partikeln im Trinkwasser und die Risiken, die damit verbunden sind, etwa für die Gesundheit, müssten laut einer WHO-Studie besser untersucht werden.

In jedem Fall, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO), sollte die Wissensbasis erweitert und vor allem das Wachsen der weltweiten Plastikmüllberge gestoppt werden. Wie das Mikroplastik ins Trinkwasser kommt, ist oft unklar. Wichtige Quellen sind laut WHO Regen- oder Schmelzwasser und Abwasser. Die WHO stellt aber fest, die verfügbaren Studien seien zu lückenhaft, um das Ausmaß dieser Zuflüsse genauer zu bestimmen oder die Quellen exakter zu erfassen.

Australische Forscher etwa haben festgestellt, dass Menschen täglich Mikroplastik zu sich nehmen – durch Nahrung, Trinkwasser oder einfach durch Atmen. Bis zu fünf Gramm kommen etwa pro Woche in den Körper – abhängig von den Lebensumständen. Fünf Gramm entsprechen etwa einer Kreditkarte. In deutschem Leitungswasser sei erheblich weniger Mikroplastik entdeckt worden als in Mineralwasser, berichtet Martin Wagner von der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim aus einer anderen Studie.

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Fragen an SWR-Umweltredakteurin Stefanie Peyk

Müssen wir damit rechnen, dass in der Tasse Kaffee auch Mikroplastik drin ist?

Mikroplastik ist zwar fast überall, aber immerhin: Das Umweltbundesamt geht nicht davon aus, dass Plastikteilchen im Trinkwasser ein Problem sind – allerdings ist die Datenlage bisher extrem dünn. Laut Weltgesundheitsorganisation gibt es international nur einzelne belastbare Studien, die im Leitungswasser nach Mikroplastik gesucht haben – wo die Forscher fündig wurden, haben sie meist nur Spuren entdeckt.

Und das, obwohl Plastik an sich in der Umwelt weit verbreitet ist – aber in Deutschland zum Beispiel gilt die Wasseraufbereitung als sehr wirksam. Die Landeswasserversorgung in Baden-Württemberg etwa entnimmt Wasser aus der Donau – in der schwimmt durchaus auch Mikroplastik – aber dieses Wasser wird gründlich gereinigt – und spätestens im Aktivkohle-Filter bleiben auch die kleinsten Plastikteilchen hängen, da ist der Sprecher des Zweckverbands zuversichtlich.

Mikroplastik bezeichnet Plastikteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind (Foto: SWR, SWR -)
Mikroplastik-Teilchen sind kleiner als 5 Millimeter. SWR -

Wie sieht es aus mit Mikroplastik in Mineralwasser aus der Flasche?

Auch da sind verlässliche Studien Mangelware. Aber gelegentlich haben Wissenschaftler tatsächlich schon Mikroplastik in Flaschen-Wasser nachgewiesen – in der Regel in höheren Mengen als im Leitungswasser.

Wie genau das Mikroplastik jeweils in die Flaschen kommt, ist unklar. Bei Mehrweg-Flaschen aus PET ist eine mögliche Erklärung, dass die Innenwände im Laufe der Zeit möglicherweise spröde werden und Plastik absondern. Oder es hat etwas mit der Abfüllung oder dem Transport des Wassers zu tun.

Plastikmüll an einem Uferbereich (Foto: SWR)
Plastikmüll belastet Umwelt und Gesundheit.

Wie gefährlich ist es überhaupt, wenn ich solche Plastik-Kleinstteilchen trinke?

Da gibt die Weltgesundheitsorganisation erstmal vorsichtig Entwarnung. Der Forschungsbedarf ist noch groß – aber die Fachleute gehen vorläufig davon aus, dass die Mengen an Mikroplastik, die derzeit im Trinkwasser vorkommen, keine Gesundheitsgefahr darstellen. Zumindest liegen den Experten - Stand heute - keine Daten vor, die Anlass bieten für Gesundheitsbedenken. Außerhalb von Forschungsprojekten sei es auch nicht nötig, Trinkwasser routinemäßig auf Mikroplastik zu untersuchen.

Aus Sicht der Fachleute ist es wichtiger, weltweit dafür zu sorgen, dass im Wasser keine Krankheitserreger und unerwünschte Chemikalien sind. Wer die rausfiltert, holt dabei auch gleich Mikroplastik raus – und schlägt damit mehrere Fliegen mit einer Klappe.

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