Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / AA, Foto: Julien Mattia)

Vor Tag der deutschen Einheit Steinmeier: Risse gehen durch die Gesellschaft

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Der 3. Oktober, der Tag der deutschen Einheit, steht vor der Tür. Ein Tag, an dem viele über das Land, seine Zukunft und den Zustand der Republik nachdenken. Einer macht sich dabei durchaus Sorgen um das Land: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Wahlerfolge für Kräfte ganz weit Rechts, Koalitionen, die nicht mehr funktionieren, Machtfragen, die sich neu stellen - Deutschland ist noch nicht gespalten, aber es gibt Gegensätze, Unversöhnlichkeiten, der Bundespräsident spricht von Rissen.

"Risse, die es gibt in der Gesellschaft, Gegensätze, die größer werden, ein Ton, der sich verändert…"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier hat es sich zur zentralen Aufgabe seiner Amtszeit gemacht, die Demokratie zu stärken. Risse nach Möglichkeit zu kitten. Er will dabei nicht aufrechnen zwischen Ost und West, denn auch wenn gerade im Osten die Polarisierung besonders stark zu sein scheint, gibt’s doch auch im Westen heftige Probleme, wenn etwa der türkische Brautmodenhändler Terjan Küjük über die Deutschen in Duisburg Marxloh im Ruhrgebiet sagt:

"Wir sind hier in Wirklichkeit nicht gewollt, das lassen die uns spüren."

Terjan Küjük, Brautmodenhändler aus Duisburg Marxloh

Und auf der anderen Seite der Kraftfahrzeugmeister Erhard Klinger äußert: "Die Situation wird immer bedrohlicher für uns. Wenn Sie jetzt heute einen Stadtteil haben, wo sie kaum noch einen Deutschen wohnen haben - nichts gegen Ausländer - aber es kommen ja verschiedene Kulturen aufeinander. Dann wird die deutsche Kultur und Tradition in diesem Stadtteil immer weiter weggedrückt."

Steinmeier fordert Geduld - von allen

Der Bundespräsident fordert in dem Zusammenhang Geduld von allen. "Das wird uns noch viel Kraft und viel Zeit abfordern in den nächsten Jahre, aber hier in Deutschland bin ich fest davon überzeugt, kann das gelingen, wenn wir uns weiterhin als ein Land begreifen, das Integration auch tatsächlich will und nicht umschaltet auf Abschattung."

In der gesamten politischen Auseinandersetzung registriert der Bundespräsident eine Zunahme von Aggressionen. Deutlich wird das in der Sprache. Streit müsse nicht vermieden, aber Regeln ein- und die Sprache freigehalten werden von aggressiven Beschimpfungen oder gar Hass. Denn die Grundlage für eine Gemeinschaft trotz aller Differenzen sei gegeben, sagt Steinmeier:

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