Leerer Plenarsaal (Foto: picture allianceGregor Fischerdpa-Bildfunk) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Vor 70 Jahren: Erste Bundestagswahl Thierse: "Bundestagsdebatten dürfen keine Talkshows werden"

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Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat eine bessere Debattenkultur angemahnt. Der Bundestag sei nicht dazu da, das Unterhaltungsbedürfnis zu befriedigen.

"Bundestagsdebatten sind keine Talkshows und dürfen auch keine Talkshows werden," sagte Thierse im SWR anlässlich der ersten Bundestagswahl vor 70 Jahren. Es gehe nicht darum, sich an Schlagfertigkeit und Witz zu überbieten: "Da kann man ins Kabarett gehen." Im Bundestag werde es ernst - dort müsse der Abgeordnete zu seinen Entscheidungen stehen, vor seinem Gewissen und seinen Wählern.

Nicht grundsätzlich gegen Polemik

Thierse spricht sich nicht grundsätzlich dagegen aus, in einer Bundestagsdebatte zu polemisieren: "Die Grenze ist immer überschritten, wenn es zu persönlichen Beleidigungen kommt. Das ist aber auch in den vergangenen Jahrzehnten nicht die Regel gewesen, sondern die Ausnahme," so der SPD-Politiker im SWR.

Umgang mit der AfD

Schwieriger sei es, wenn der Ton im Parlament insgesamt rauer werde - etwa durch die AfD, "wenn man bemerkt, dass es gar nicht um eine konstruktive Auseinandersetzung geht." Gelegentlich habe es die Ansicht gegeben, durch die AfD würde das Parlament wieder lebendiger: "Da komme ich mit einem Vergleich aus dem Fußball: Fouls machen ein Fußballspiel nicht besser - das gilt auch für das Parlament."

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