Vor zehn Jahren fürchteten Menschen weltweit um ihr Erspartes. (Foto: picture-alliance / dpa)

Versprechen aus der Bankenkrise "Erspartes ist sicher" - ist die Gefahr gebannt?

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"Ihre Einlagen sind sicher." Mit diesen Worten versicherte Kanzlerin Angela Merkel den Bürgern vor zehn Jahren, dass ihr Erspartes trotz weltweiter Finanzkrise sicher sei. Was hat dieses Versprechen gebracht?

Herbst 2008: Die Finanzkrise hält die Welt in Atem. Mitte September bricht die amerikanische Bank Lehman Brothers zusammen. Andere Banken sind bedroht, auch deutsche - und damit das Geld der Sparer.

Kanzlerin Merkel und ihr damaliger Finanzminister Steinbrück garantierten den Bürgern: Erspartes ist sicher bei den Baken aufgehoben. (Foto: picture-alliance / dpa)
Kanzlerin Merkel und ihr damaliger Finanzminister Steinbrück garantierten den Bürgern: Erspartes ist sicher bei den Baken aufgehoben.

Drei Wochen nach der Lehman-Pleite wenden sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück von der SPD gemeinsam an die Öffentlichkeit - am 5. Oktober, einem Sonntag. Merkel: "Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Dafür steht die Bundesregierung ein." "Ich möchte unterstreichen, dass die Sparerinnen und Sparer nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren", sagte Steinbrück damals.

Was wollte die Politik verhindern?

Doch es geht nicht nur um das Wohl der Sparer, sondern darum, eine unkontrollierte Kettenreaktion zu vermeiden. Was, wenn Millionen Menschen plötzlich ihr Geld abheben? Banken würden zusammenbrechen wie Kartenhäuser. Das gesamte System wäre aus den Fugen. All das sagt Steinbrück auch - etwas verklausuliert: "Dies ist ein wichtiges Signal, damit es zu einer Beruhigung kommt und nicht zu Reaktionen, die unverhältnismäßig wären und uns die derzeitige Krisenbewältigung noch schwieriger machen würden."

Und heute?

Heute - zehn Jahre danach - hat sich die Lage längst beruhigt. Dennoch bewerten Politiker die Entscheidung von damals unterschiedlich. Rundherum richtig, sagt der neue Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus, weil: "Vertrauen ist ganz ganz wichtig, die beiden haben dadurch Vertrauen geschaffen, haben sehr viel stabilisiert."

Der FDP-Abgeordnete Otto Fricke, damals im Haushaltsausschuss des Bundestages, wägt dagegen ab: "Der reine Haushälter in mir sagt, das ist eigentlich falsch, weil es nur ein Versprechen ist. Der Politiker, der die Ängste sieht, muss sagen: Es war richtig."

Entschiedener urteilt der grüne Finanzpolitiker Gerhard Schick. Er sieht in dem Versprechen von Merkel und Steinbrück schlicht ein Zeichen der Hilflosigkeit: "Denn sie haben ein Versprechen abgegeben, dass sie im Zweifel nicht hätten einhalten können. Die Einlagen sind so groß, der Bundeshaushalt hätte nicht ausgereicht, um sie abzusichern, wenn es zu einer tatsächlichen Kernschmelze gekommen wäre."

Hat es denn damals funktioniert?

Eine solche "Kernschmelze" wäre aber ohne das Versprechen womöglich tatsächlich passiert - also der Zusammenbruch des Bankensystems. Wie unhaltbar das Versprechen denn auch gewesen wäre - es war ein voller Erfolg: Denn kaum jemand hebt sein Geld vom Konto ab, um es unters Kopfkissen zu legen.

Die Politiker konnten die Menschen beruhigen - der große Ansturm auf das Bankguthaben blieb aus. (Foto: picture-alliance / dpa)
Die Politiker konnten die Menschen beruhigen - der große Ansturm auf das Bankguthaben blieb aus.

Mehr noch: In den Monaten danach steigen die Einlagen deutscher Sparer sogar an. Die Bundesregierung kann sich also in Ruhe um Krisenbewältigung kümmern und vorsorgen. Für Brinkhaus hat sie geliefert: "Wir haben zusammen mit unseren europäischen Kollegen fast 50 Gesetze auf den Weg gebracht, damit sich sowas nicht wiederholt. Wir haben neue Behörden und Aufseher geschaffen."

Fricke verlangt dagegen mehr Vorsorge. Denn sollte es doch noch einmal zu einer Bankenkrise kommen, dürften nicht wieder die Steuerzahler haften müssen. An denen sei letztlich nämlich mehr hängengeblieben als nötig, kritisiert Schick. Er spricht von Fehlern, die nicht mehr zu korrigieren seien.

Kann es sich wiederholen?

Und es bleiben Gefahren, mahnt Fricke - Stichwort Staatsverschuldung. Wachsen einem Staat seine Schulden über den Kopf, bedroht das auch wieder Banken. Das Drama könnte von vorn beginnen: "Italien ist hier der Elefant im Porzellan-Laden, der im Moment laut durch die neue Regierung trötet. Der sich aber wirtschaftlich zum Glück noch nicht so weit bewegt hat, dass Porzellan kaputt geht. Aber da liegt eine ganz große Gefahr."

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