Jugendliche Flüchtlinge (Foto: dpa Bildfunk, Bernd Wüstneck)

Unbegleitete junge Flüchtlinge in Deutschland Viele ältere Jugendliche verschwinden

AUTOR/IN

Viele minderjährige Flüchtlinge, die ohne Erwachsene nach Deutschland gekommen sind, tauchen plötzlich unter. Angst vor Abschiebung scheint ein wichtiges Motiv.

Die neue, noch unveröffentlichte Umfrage über verschwundene Flüchtlingskinder, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, alarmiert Experten. Rund 730 Betreuer, Jugendamtsmitarbeiter und andere Experten wurden für die Auswertung befragt. Sie antworteten etwas häufiger als 2017, "es komme manchmal bis oft vor, dass junge Flüchtlinge verschwinden".

Weil es meistens gleich am Anfang des Aufenthalts in  Deutschland passiert, vermuten die Fachleute, dass die Kinder und Jugendlichen sich auf den Weg zu Angehörigen in anderen deutschen Städten oder auch anderen europäischen Ländern machen.

Schürt schärfere Rhetorik in der Politik die Angst vor Abschiebung?

Insgesamt sind die Zahlen aber rückläufig: Zurzeit sind beim Bundeskriminalamt gut 3.200 Vermisstenfälle registriert. 2016 - ein Jahr nach dem großen Flüchtlingszuwachs in Deutschland- waren es noch über 9.700.

Aber es gibt eine andere Entwicklung, die den Experten Sorge macht. Laut der Umfrage tauchen vermehrt ältere Jugendliche, die schon länger in Deutschland sind, unter. Als Grund wird hier eine verstärkte Angst vor Abschiebung vermutet, die durch die schärfer gewordene politische Rhetorik geschürt werde. Tobias Klaus vom Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge spricht von einer dramatischen Entwicklung:

Dauer

Kritik am Verteilverfahren: Quote wichtiger als Verwandtschaft

Die Befürchtungen, die verschwundenen Kinder und Jugendlichen könnten Opfer von Menschenhändlern geworden sein, scheint sich eher nicht zu bestätigen. Fachleute haben jedenfalls keine Hinweise darauf.

Klaus kritisiert das Verteilverfahren hierzulande: Es werde zu wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der Jugendlichen genommen, sondern man orientiere sich an Quoten: "Jede Kommune in Deutschland soll ihren fairen Anteil Jugendlicher bekommen. Nur ist das nicht immer fair für die Jugendlichen." Selbst wenn es Angehörige in einer anderen Stadt gebe, würrden die jungen Flüchtlinge oft nicht dorthin geschickt, weil die Quoten schon ausgeschöpft seien.

AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG