Dicke Rauchschwaden über brennendem Regenwald von Brasilien (Foto: Reuters)

Tausende Feuer im Regenwald Brennende Wälder: Bolsonaro schickt Soldaten ins Amazonasgebiet

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Tausende Feuer wüten im Regenwald des Amazonasgebietes in Brasilien. Präsident Bolsonaro macht Umweltschutzorganisationen dafür verantwortlich - und verbittet sich jegliche Einmischung anderer Staaten.

Brasiliens Urwald brennt. Allein in der ersten Augusthälfte wurden mehr als 9.500 Brände registriert, seit Januar mehr als 70.000 - und die Welt reagiert bestürzt. Doch Brasiliens ultrarechter Präsident Jair Bolsonaro will von Ratschlägen aus dem Ausland nichts wissen.

In einer Fernsehansprache kündigte Bolsonaro an, Soldaten ins Amazonasgebiet zu schicken, damit sie dort die Waldbrände bekämpfen. Die Armee solle auch gegen Umwelt-Kriminalität vorgehen.

Korrespondentin Anne Herrberg berichtet im Audiobeitrag über Bolsonaros Sicht auf die Waldbrände.

Mehrere EU-Staaten erhöhen als Reaktion auf die Brände den Druck auf Brasilien. Die finnische EU-Ratspräsidentschaft regt ein Importverbot für brasilianisches Rindfleisch an. Irland will das geplante Handelsabkommen der EU mit mehreren südamerikanischen Staaten blockieren, wenn sich Brasiliens Umweltpolitik nicht ändert.

Bolsonaro: Macron hat eine kolonialistische Denkweise

Bolsonaro twitterte am Donnerstag, die brasilianische Regierung sei "weiterhin offen für einen Dialog, der auf objektiven Daten und gegenseitigem Respekt beruht."

"Der Vorschlag des französischen Präsidenten, die Probleme des Amazonas auf dem G7-Gipfel zu diskutieren, ohne die Länder der Region zu beteiligen, lässt aber auf eine kolonialistische Denkweise schließen."

Jair Bolsonaro, Präsident Brasilien

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor angekündigt, das Thema auf dem Gipfel der sieben führenden Industrienationen besprechen zu wollen. "Unser Haus brennt. Wortwörlich", hatte er am Donnerstagabend auf Twitter geschrieben.

Our house is burning. Literally. The Amazon rain forest - the lungs which produces 20% of our planet’s oxygen - is on fire. It is an international crisis. Members of the G7 Summit, let's discuss this emergency first order in two days! #ActForTheAmazon https://t.co/dogOJj9big

Er rief die G7-Staaten auf, "diesen Notfall" als ersten Punkt bei ihrem Treffen am Samstag zu besprechen. Bolsonaro warf Macron vor, die "interne Angelegenheit Brasiliens und anderer Länder der Amazonasregion zum eigenen politischen Vorteil zu instrumentalisieren".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei dafür, die Waldbrände beim G7-Treffen zu thematisieren. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitagmorgen mit.

Entwicklungsminister Müller: "Wir dürfen Brasilien jetzt nicht alleine lassen"

Auch wenn Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro eine Einmischung aus dem Ausland abgelehnt hat, will

Trotz der Ablehnung Bolsonaros von Einmischung plädiert Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) dafür, den Kontakt zur brasilianischen Regierung aufrechterhalten: "Ich war vor wenigen Wochen in Manaus, mitten im Regenwald, weil wir dort Schutzprogramme umsetzen. Mein Ziel ist es auch weiterhin, die Brücken nicht abreißen zu lassen", sagte er.

"Es nutzt niemandem, wenn wir uns jetzt zurückziehen – nicht den Indigenen, nicht dem Wald und nicht dem Klima."

Entwicklungsminister Gerd Müller

Er habe deshalb ein langes Gespräch mit dem brasilianischen Umweltminister geführt, so Müller. Auch diese Woche sei er mit ihm in Kontakt gewesen. Es gehe jetzt darum, den Amazonas-Fonds neu zu strukturieren. Erfreulich sei immerhin, dass sich die brasilianische Regierung klar zum Pariser Klimaschutz-Abkommen bekenne.

Auch Umweltministerin Schulze stellt Mercosur-Abkommen in Frage

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) stellte unterdessen wegen der Abholzungen und Brände das kürzlich ausgehandelte Handelsabkommen mit mehreren südamerikanischen Staaten - darunter Brasilien - in Frage. Man sei hilfsbereit, aber nicht naiv, sagte Schulze. Der Regenwald sei durch die verheerenden Brände in großer Gefahr, aber auch durch die Rodungspolitik der brasilianischen Regierung. Auch Frankreich und Irland sind für eine Blockade des Handelsabkommens, um Brasilien zu mehr Umweltschutz zu bewegen.

Brände des Amazonas-Regenwaldes betreffen die ganze Erde

Der Amazonas-Regenwald ist mit fast sechs Millionen Quadratmetern Fläche der größte tropische Regenwald der Erde. Die Pflanzen speichern Kohlenstoff, doch wenn es weniger von ihnen gibt, wird mehr Kohlendioxid freigesetzt. Das heizt die Klimakrise weiter an. Die Brände gehen also alle etwas an.

Auch die Vereinten Nationen (UNO) haben sich geäußert. "Der Erhalt des Waldes ist für unseren Kampf gegen den Klimawandel von entscheidender Bedeutung", sagte der Sprecher von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres.

Menschen aus Forschung und Umweltschutz sehen einen Zusammenhang zwischen den massenhaften Rodungen am Amazonas und den Bränden. Die brasilianische Justiz hat erste Ermittlungen eingeleitet. In dem Bundesstaat Para solle geprüft werden, warum der von Bauern angekündigte "Tag des Feuers" nicht verhindert worden war.

Brandrodungen haben seit Januar stark zugenommen

Diesen Tag gab es Medienberichten zufolge vor einer Woche im Südwesten des Bundesstaates. Farmerinnen und Farmer hatten in einer gemeinsamen Aktion große Flächen entlang einer Landstraße in Brand gesteckt, um Platz für neue Weideflächen zu schaffen.

⚠ THIS IS AN EMERGENCY ⚠ In this video, you can see the smoke traveling across Brazil. The smoke could be seen and felt by people in urban areas of the country, but this is something that people who live near the Amazon and depend on it for their survival have been going through for years. Companies and the government must stop putting short-term profits over the lives of people and the planet. Head to the link in our bio to demand companies stop forest destruction. Credit: @copernicusecmwf #ForestsAreLife #Amazon #AmazonRainforest #SaveTheAmazon #Greenpeace #Forest #ClimateChange #ClimateCrisis #ClimateEmergency #nature #environment #forests

Bolsonaro glaubt nicht an den Klimawandel

Bolsonaro, seit dem 1. Januar in Brasilien im Amt, hat mit Umweltschutz wenig am Hut, an den menschengemachten Klimawandel glaubt er nicht. Er will den Regenwald wirtschaftlich erschließen. Für Umweltexperten ist es daher kein Zufall, dass die Zahl der Brände seit seinem Amtsantritt so eklatant zugenommen hat.

Bolsonaro hingegen hatte zuletzt in den Raum geworfen, dass Umweltaktivistinnen und -aktivisten die Brände gelegt haben könnten, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Außerdem wollten sie seine Regierung in ein schlechtes Licht rücken. Umweltverbände weisen die Vorwürfe entschieden zurück.

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