Start einer Marschflugkörper auf die Insel San Nicolas vor der Küste Kaliforniens. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

USA testen Mittelstreckenrakete Russland und China warnen vor Eskalation

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Die USA haben erstmals seit dem Ausstieg aus dem INF-Vertrag eine Mittelstreckenrakete getestet. Russland warnt vor Konsequenzen - nicht nur für die USA.

Auf einer Insel vor der kalifornischen Küste haben die USA am Sonntag eine Mittelstreckenrakete abgefeuert. Solche Tests waren im Rahmen des INF-Vertrages verboten.

Diesen Vertrag hatte US-Präsident Donald Trump im Februar zum 2. August aufgekündigt. Den Schritt hatten die US-Amerikaner damit begründet, dass Russland den Vertrag seit Jahren mit einem Mittelstreckensystem verletze.

Russland und China üben scharfe Kritik

Die Regierungen von Russland und China kritisierten den Test des Marschflugkörpers, der 500 Kilometer weit geflogen ist, scharf. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums erklärte, damit werde "eine neue Runde des Wettrüstens eingeläutet".

Russland warf den USA vor, eine "Eskalation der militärischen Spannungen heraufzubeschwören".

"Egal, wo diese Systeme in Zukunft stationiert werden - in Asien oder Europa -, sie werden unser Land erreichen können."

Der russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow

Für den russischen Außenpolitiker Konstantin Kossatschow stellen sie daher auch eine direkte Bedrohung für Russland dar. Er kündigte Konsequenzen für Länder an, die das System bei sich stationieren würden.

Wenig Einfluss durch Europa

Deutschland und andere europäische Staaten befürchten nach der Aufkündigung des INF-Vertrages eine neue nukleare Bedrohung.

Die USA betonten, dass es sich bei dem Test um eine Rakete mit konventionellem Sprengkopf gehandelt habe. Allerdings können sie auch für atomare Sprengköpfe umgerüstet werden.

Das passe in die Strategie der USA gegenüber Russland, so Politikwissenschaftler Carlo Masala im SWR:

Gegen Raketentests, wie jetzt von den USA durchgeführt, seien die Europäer weitgehend machtlos, meint der Politikwissenschaftler. Insbesondere Deutschland habe seine einflussreiche Stellung verloren.

"Die Bundesrepublik isoliert sich gerade mit Blick auf die USA immer weiter. Der deutsche Einfluss wird bei dem Thema also nicht groß sein. Vor allem, weil es zum Beispiel im Pentagon Kräfte gibt, die massiv auf diese Aufrüstung drängen."

Prof. Carlo Masala, Politikwissenschaftler

Keine Lösung ohne Russland?

Zwar könne das Thema im Rahmen der NATO diskutiert werden, ein Aufhalten der Tests sei aber auch innerhalb des Bündnisses schwierig, meint Masala.

Es gebe europäische Verbündete, die solche Raketensysteme, wie von den USA gerade getestet, durchaus auf ihrem Boden stationieren würden. Laut Masala ist nun entscheidend, die Russische Föderation an den Verhandlungstisch zu holen, um über einen INF-Nachfolgevertrag zu beraten.

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