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US-Idee erreicht Deutschland. Ein Kommentar Im Tiny House muss die Seele draußen bleiben

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Das Tiny House, ein 20 Quadratmeter-Heim auf zwei Rädern, steht für ein neues, einfaches Leben. Ein Leben ohne Herz und Seele, meint Martin Rupps.

Das Tiny House hat es über den Atlantik geschafft. Die amerikanische Kreuzung aus Eigenheim und Wohnanhänger findet in Deutschland immer mehr Käufer.

Das Tiny House, eine Mischung aus Eigenheim und Wohnanhänger, findet in Deutschland immer mehr Freunde. (Foto: SWR)
Tiny House: eine Mischung aus Eigenheim und Wohnanhänger.

Das rollende 20 Quadratmeter-Heim mit Schlafkoje, Wohn- und Sitzecke, Küchenzeile, Dusche und WC steht für ein neues, einfaches Leben. Ein Leben ohne Ballast und Belastungen. Wir besitzen nur, was wir benutzen. Wir leben auf einer Wiese mit Blumen und Insekten. Beim Ortswechsel ziehen wir weiter wie der Cowboy, der davonreitet.

Das klingt verlockend, beruht aber, fürchte ich, auf einem großen Missverständnis. Für den Einzug ins Tiny House opfern wir nicht nur Kleiderschränke, sondern auch Kultur. Etwa die Regalwand mit Büchern, die unser Leben begleiten. Oder den Krimskrams auf der Fensterbank, liebgewonnene Geschenke von Eltern und Freunden. Erst sie machen unser Nest einmalig und zum eigenen.

Im Tiny House ist dafür kein Platz. Man kann darin schlafen, kochen, waschen. Herz und Seele müssen draußen bleiben.

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