Unbemannte US-Drohne (Foto: picture-alliance / dpa, Tony D. Curtis)

UNO berät über autonome Waffen Kampfmaschinen, die alleine entscheiden

Autonome Waffen nähern sich eigenständig ihrem Ziel und entscheiden, wer oder was ins Visier genommen wird. Wie real sind Kampfroboter im Stil von "Terminator" bereits?

Als TV-Kampfroboter namens Terminator ist Arnold Schwarzenegger groß herausgekommen. Über derartige Kampfmaschinen, die alleine mit ihrem Computerhirn entscheiden, was sie angreifen, beraten die Vereinten Nationen seit heute in Genf.

Wird ein Verbotsantrag beschlossen?

Dabei geht zunächst erneut um grundsätzliche Fragen rund um autonome Waffensysteme: Welche Waffen zählen dazu? Sollte nur der Einsatz oder bereits schon ihre Entwicklung eingeschränkt oder gar komplett verboten werden? Eine Reihe von Staaten ist für ein striktes Einsatzverbot, etwa Mexiko, Österreich und neuerdings auch China. Dagegen sind zum Beispiel die USA, Russland, Großbritannien und Israel. Deutschland hat einen Verhaltenskodex vorgeschlagen, der jedoch nicht völkerrechtlich bindend sein würde. Mit Spannung wird erwartet, ob nach dem UN-Treffen in dieser Woche offizielle Verhandlungen für einen Verbotsantrag empfohlen werden.

Zur internationalen Kampagne gegen Kampfmaschinen gehört Thomas Küchenmeister von der deutschen Organisation Facing Finance. Wir haben ihn bei der Konferenz in Genf erreicht.

Wenn es kein weltweites Verbot geben sollte - wann wären die ersten vollautonomen Killerroboter einsatzbereit, oder sind sie es schon?

Man kann sagen, dass die Technologien schon verfügbar sind, um Waffen autonom zu machen. Wir besuchen regelmäßig Waffenmessen und da kann man fast mit Händen greifen, dass der Mensch mehr und mehr aus der Entscheidungsschleife beim Einsatz von Waffen herausgenommen wird. Es kann bis zur vollautonomen Waffe nur noch ein ganz kleiner Schritt sein.

Das können zwei Jahre sein, das können vielleicht zehn Jahre sein. Es kommt auf Fähigkeiten an in Bezug auf Zielerfassung, Zielbekämpfung und Zielzerstörung. Aber ich glaube, es gibt jetzt schon Waffen, die das schon können. Insofern ist hier die Zeit abgelaufen und die Dringlichkeit eines Verbotes dadurch unterstrichen.

Sind das im Prinzip Infanteriesoldaten aus Metall mit Sturm- oder Maschinengewehr, oder wird das eine Nummer größer?

Wir sprechen zum einen von existierenden Waffensystemen. Das sind Drohnen, Kampfflugzeuge, Raketen und Mini-Panzer, die autonom operieren können, und die jetzt mit künstlicher Intelligenz noch autonomer werden sollen. Aber sie können jetzt schon mit Sensorik und Programmierung über Algorithmen autonom Aufträge ausführen.

Protest gegen Kampfroboter (Foto: picture-alliance / dpa, Nick Ansell)
Protest gegen autonome Kampfmaschinen (Archivbild) Nick Ansell

Und das heißt, diese Entwicklung müssen wir jetzt eindämmen und aufheben, sonst haben wir vielleicht irgendwann in der Zukunft diese vollautonomen Maschinen, die in Richtung Terminator gehen. Das wird wahrscheinlich noch 50 Jahre dauern, bis man dahin kommt. Aber diese Systeme, die wir jetzt haben, sind nicht weniger gefährlich und tödlich.

Wer entwickelt das, sind das die großen Militärstaaten dieser Erde?

Genau, das sind die Amerikaner zum Beispiel, Russen, Chinesen. Korea müsste man nennen, aber auch besonders Israel ist sehr aktiv in der Weiterentwicklung autonomer Waffensysteme. Die Zahl der Länder, die daran arbeiten, nimmt zu, kann man sagen.

Militärexperten: Computer entscheidet besser als der Mensch

Militärstrategen betonen, dass autonome Waffen schneller als Menschen entscheiden könnten. Sie seien zudem präziser und könnten besser zwischen zivilen und militärischen Zielen unterscheiden. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch oder Amnesty International sprechen dagegen von "Killerrobotern", die komplett verboten werden sollten. Menschen dürften nicht ausgeschlossen werden, wenn über den Einsatz von Gewalt entschieden wird.

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