Klimakonferenz in Madrid (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Federico Gambarini/dpa)

Drastische Worte des UN-Generalsekretärs Klimakonferenz in Madrid: "Die Welt steht an einem Wendepunkt"

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Antonio Guterres wählte eindringliche Worte zum Auftakt der 25. UN-Klimakonferenz in Madrid. Vor Delegierten aus rund 200 Ländern zeigte er sich frustriert von den unzureichenden Maßnahmen, um die Erderwärmung zu begrenzen.

Die Fakten seien klar, so der UN-Generalsekretär Guterres: Die bisherigen Zusagen zum Klimaschutz reichten nicht aus um die Temperaturerhöhung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Alle Staaten müssten sich also bewegen.

"Wenn wir nicht schnell unseren Lebensstil ändern, gefährden wir das Leben an sich."

Antonio Guterres, UN-Generalsekretär
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CO2-Neutralität bis 2050

Guterres appellierte an die Staaten, einen "Weg der Hoffnung" einzuschlagen. Dabei sollten dauerhafte Lösungen erreicht werden - und bis 2050 CO2-Neutralität erreicht werden. Um dieses Ziel zu erreichen forderte der UN-Generalsekretär den Ausstieg aus der Kohle.

Dazu werden in Madrid auch Ankündigungen erwartet. Entsprechende Beschlüsse sollen jedoch erst kommendes Jahr folgen. Verhandelt werden sollen vor allem die Regeln für den internationalen Handel mit Treibhausgasrechten.

Regierungen sollen zuhören

Die Klimakonferenz geht zwölf Tage lang. Rund 29.000 Teilnehmer werden erwartet. Darunter auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Mit Blick auf die von ihr angestoßene Fridays-for-Future-Bewegung sagte Guterres, die Regierungen sollten "den Menschenmassen, die den Wandel fordern" zuhören und handeln.

"Wollen wir in die Geschichte als die Generation eingehen, die nichts tut, während der Planet in Flammen steht?"

UN-Generalsekretär Antonio Guterres

Maas: "Deutschland ist klimapolitisch wieder Vorreiter"

Außenminister Heiko Maas (SPD) betonte, dass die Beschlüsse zum Klimapaket der Groko international ein Pfund seien. "Sie werden international als ein klares Bekenntnis Deutschlands verstanden, klimapolitisch umzusteuern, die selbstgesteckten Ziele endlich einzuhalten und wieder Vorreiter zu sein."

Und selbst Angela Merkel (CDU) hat im Bundestag bei der Generaldebatte wieder mal stolz die Klimakanzlerin gegeben.

"Wer, wenn nicht wir, soll denn zeigen, dass es geht, dass man dem Klimawandel etwas entgegensetzen kann? Das ist doch die Aufgabe."

Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD), die in Madrid für Deutschland am Tisch sitzt, blickt da auch schon weiter nach vorne. Denn alle Zusagen, die die Staaten bislang gemacht haben, reichen ohnehin nicht aus, um den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Spätestens im kommenden Jahr muss nachgebessert werden.

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EU soll Anstrengungen beim Klimaschutz verstärken

Die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will vorangehen. Die EU soll ihre Anstrengungen verstärken. Statt 40 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030 sollen es 50 oder 55 Prozent weniger sein. Die EU wolle bis 2050 klimaneutral werden, so von der Leyen. Unter anderem werde sie im März ein Umweltgesetz vorlegen.

Das wäre ein wichtiges Signal in Madrid, sagt Svenja Schulze. "Ich werbe innerhalb der Bundesregierung dafür, Frau von der Leyen in diesen Ambitionen zu unterstützen."

Ganz einfach wird das nicht, denn ein neues EU-Ziel beim Klimaschutz bedeutet auch, dass die Latte in Deutschland höher gelegt werden muss. Noch mehr Klimapakete? Ganz offensichtlich will die Bundesregierung das vermeiden. Sie setzt da auf den internationalen Handel mit Klimagasen. Die Regeln dafür sollen in Madrid beschlossen werden.

Grüne: Deutschland statt Vorreiter im Lager der Blockierer

Für den grünen Europaabgeordneten Sven Giegold ist die Bundesregierung deshalb alles andere als ein Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Er sieht Deutschland vielmehr im Lager der Blockierer. Immer wieder habe man sich einer Koalition von Ländern angeschlossen, die beim Klimaschutz weniger schnell vorangehen wollten, zuletzt bei der Frage, wann Klimaneutralität erreicht werden solle, sagte Giegold im SWR.

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