Windräder USA (Foto: SWR, dpa / picture alliance)

UN-Klimakonferenz in Bonn Trotz Trump: USA 2017 beim Klimaschutz vorbildlich

Die USA sind bei der UN-Klimakonferenz in Bonn die einzige Industrienation mit einer positiven Jahres-Klima-Bilanz.

US-Präsident Donald Trump ist ein bekennender Klimaschutz-Gegner. Trotzdem haben die USA 2017 weniger Klimagase ausgestoßen als im Jahr zuvor. Laut SWR-Umweltredakteur Werner Eckert betrug das Minus 0,5 Prozentpunkte. Deutschland löse seine Versprechen beim Klimaschutz hingegen nicht ein, so der Klimaexperte im Interview.

Werner Eckert (Foto: SWR)
SWR-Umweltredakteur Werner Eckert

In Deutschland steht der Umweltschutz seit vielen Jahren ganz oben auf der Agenda - diesen Eindruck versucht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) seit vielen Jahren zu vermitteln. Aber stimmt er auch mit der Realität überein?

Die Große Koalition hat das Klimaziel, das sich Deutschland für 2020 selbst verordnet hatte, gekippt, weil Deutschland es nicht erreichen werden. 40 Prozent weniger Klimagase als 1990 - das war die ursprüngliche Ansage. Wenn es gut läuft, schaffen wir ein Minus von 32 Prozent. Das ist ein gutes Stück daneben, und daran erkennt man: Der Eindruck, dass wir beim Klimaschutz sehr gut vorankommen, ist nicht ganz richtig.

Wir brauchen sehr viel mehr Maßnahmen, vor allen Dingen in den Bereichen Wärme, also Gebäude, und Verkehr. Beim Verkehr hat sich nämlich bisher praktisch nichts getan.

Was Deutschland geliefert hat und was in der Klimaschutz-Welt auch sehr hoch anerkannt wird, ist das Erneuerbare Energiengesetz. Der Ausbau von Wind- und Solarkraft hat uns international viel Anerkennung gebracht. Wir haben sehr viel Geld in die Hand genommen. Verbraucher haben zu Beginn die Last der hohen Preise für Solarkraftwerke auf den Dächern getragen. Mittlerweile sind die Preise durch die Nachfrage aus Deutschland gesunken und weltweit profitieren jetzt sehr viele Staaten davon.

Wenn wir zum Vergleich auf Amerika schauen, dann drängt sich der Eindruck auf, dass Umweltschutz dort nur noch eine Rolle spielt, wenn er den Interessen der Wirtschaft nicht in die Quere kommt. Entspricht das der Wahrheit?

Die USA haben im vergangenen Jahr als einzige Industrienation weniger Klimagase ausgestoßen als im Jahr davor: minus 0,5 Prozent. Vor allen Dingen deshalb, weil die USA erneuerbare Energien ausbauen, nämlich vor allen Dingen Wind im mittleren Westen. Billiger kann man dort Energie nicht erzeugen.

Trumps Ankündigung, er wolle die Kohle wieder groß machen, ist deshalb völlig verhallt. Das interessiert die Wirtschaft in den USA überhaupt nicht, die bauen Windkraftwerke. Und das führt dazu, dass die Amerikaner tatsächlich eine bessere Klimabilanz haben. Man erkennt: Trump hat in den USA halt auch nicht alles zu sagen.

Sonst heißt es doch immer: "Tu Gutes und sprich darüber". Warum wird der Klimaschutz in den USA nicht öffentlichkeitswirksam betrieben?

Klimaschutz ist für Trump nichts Gutes. Deswegen redet er nicht darüber. Für ihn kommt es darauf an, alle Verhandlungen, die sein Vorgänger Barack Obama geführt hat, im Grunde wieder rückgängig zu machen. Dabei ist es völlig egal, ob es um die Anti-Atomabkommen geht oder ob es eben um Klimaschutz geht. Es ist für ihn ein Erfolg, wenn er diese Abkommen zurückdreht. Deswegen ja auch die Ankündigung, dass die USA aus dem Paris-Abkommen zum Klimaschutz aussteigen wollen, sobald das juristisch möglich ist.

Was faktisch passiert, ist aber, dass die Amerikaner tatsächlich aus ökonomischen Gründen nachvollziehbar Klimaschutz betreiben.

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