Türkischer Militärkonvoi (Foto: Reuters, Reuters)

US-Politiker fordern Sanktionen Türkei greift Ziele in Nordsyrien an

Nach Angriffen aus der Luft hat das türkische Militär in Nordsyrien nun auch seine Bodenoffensive gestartet. US-Politiker fordern jetzt Sanktionen gegen die Türkei.

Kurz vor 22 Uhr deutscher Zeit verkündete das Verteidigungsministerium der Türkei den Beginn der Bodenoffensive. Türkische Soldaten hätten - so hieß es aus Ankara - im Rahmen der Operation "Friedensquelle" die Grenze zu Syrien überschritten.

Berichte über mehrere Opfer

Die Angriffe aus der Luft waren bereits mehr als sechs Stunden früher gestartet. Kampfjets der türkischen Luftwaffe bombardierten unter anderem Ziele in den Gebieten der Städte Tall Abjad und Kobane an der Grenze zur Türkei. Die Bewohner flohen zu Fuß, auf Motorrädern und mit Kleinlastern aus den angegriffenen Gebieten.

"Wir sahen Panzer in der Nähe unseres Dorfes, aus Angst um unsere Kinder sind wir geflohen - wie fast alle Dorfbewohner."

Ein Mann aus Tall Abyad

Die Menschen flüchteten zumeist Richtung Süden in Regionen, die noch von den kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) kontrolliert werden. Allerdings soll die türkische Luftwaffe nach kurdischen Angaben Ziele bombardiert haben, die sich 50 Kilometer weit im Landesinnern befinden.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien wurden bislang 15 Menschen getötet. Unter den acht zivilen Opfern seien auch zwei Kinder, erklärte ein Sprecher. Bei den anderen Toten handele es sich um Kämpfer der SDF. 

UNHCR warnt vor neuer Flüchtlingswelle

Der Türkei zufolge richtet sich die Militäroperation gegen die kurdische YPG-Miliz. Ankara hält sie für einen syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit für eine Terrororganisation. Ziel sei es, die Entstehung eines "Terror-Korridors" an der südlichen Grenze der Türkei zu verhindern und in dem Gebiet Frieden zu schaffen, erklärte Präsident Recep Tayyip Erdoğan.

Dauer

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnte, dass "erneute Kampfhandlungen zu neuen Fluchtbewegungen und neuer Vertreibung innerhalb Syriens führen werden". Die Ressourcen der humanitären Akteure in und um Syrien im neunten Kriegsjahr seien längst am Limit, sagte der UNHCR-Repräsentant in Deutschland, Dominik Bartsch, der "Welt".

Kurden fordern Unterstützung der USA

Der US-Präsident Donald Trump hatte die Türkei zuvor gewarnt zu stark in Syrien einzugreifen. Er sagte, jede "ungezwungene oder unnötige" Kampfhandlung könnte für die türkische Wirtschaft "verheerend" werden. Auf die Frage eines Reporters, ob er besorgt sei, dass Erdogan die Kurden "auslöschen" könnte, antwortete Trump:

Wenn das passiert, werde ich seine Wirtschaft auslöschen.

US-Präsident Donald Trump

US-Senatoren drohten der Türkei mit schweren Sanktionen. Das geht aus dem Entwurf für eine parteiübergreifende Resolution von Lindsey Graham (Republikaner) und Chris Van Hollen (Demokraten) hervor, den die beiden Senatoren am Mittwoch (Ortszeit) auf Twitter veröffentlichten. Der Entwurf sieht vor, dass etwaiger Besitz Erdogans, des türkischen Vizepräsidenten und von fünf Ministern in den USA eingefroren würde. Außerdem würden Visabestimmungen für die politische Führung des Landes verschärft

EU fordert Türkei zum Abbruch der Militäroffensive auf

Die EU-Staaten haben die Türkei in einer gemeinsamen Erklärung zum Abbruch der Militäroffensive in Nordsyrien aufgefordert. "Erneute bewaffnete Auseinandersetzungen im Nordosten werden die Stabilität in der ganzen Region weiter untergraben, das Leiden der Zivilisten verschlimmern und zusätzliche Vertreibungen provozieren", heißt es in dem veröffentlichten Text.

REDAKTION
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