Denis Mukwege bei seinen Patienten im Krankenhaus in Panzi  Kongo (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Tübinger Missionsärztin unterstützt Preisträger Friedensnobelpreisträger Mukwege: "Die Gier nach Reichtum" befeuert den Krieg im Kongo

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Vergewaltigung als Kriegswaffe: Der Arzt Denis Mukwege hat 2018 den Friedensnobelpreis erhalten, weil er betroffenen Frauen hilft. Doch wie hat sich die Lage im Kongo ein Jahr nach der Auszeichnung entwickelt?

Die Demokratische Republik Kongo in Zentralafrika ist weiter zerüttet von Konflikten. Im Nordosten des Landes kämpfen etliche Milizen um die Kontrolle der Bodenschätze. Hier lagern Rohstoffe wie Gold, Wolfram oder Coltan. Stoffe, ohne die Hightechfirmen aus Industriestaaten nicht produzieren können.

Zum Teil kontrollieren Milizen den Abbau und finanzieren ihr Überleben mit dem Schmuggel der wertvollen Metalle und Erze. Bis zu 160 Milizengruppen sollen im Osten des Kongos aktiv sein und die Bevölkerung terrorisieren. Sie plündern, brandschatzen, vergewaltigen und töten.

Mukwege wird ständig bedroht

Jeden Monat werden rund 150 Vergewaltigungsopfer in das Hospital Panzi in Südkivu, einer Provinz im Nordosten des Kongo, gebracht. Dr. Denis Mukwege operiert dort die Frauen, die oft schwerste Verletzungen im Unterleib haben. Das Krankenhaus ist von Stacheldraht umzäunt, Sicherheitskräfte und UN-Soldaten bewachen das Gelände.

Denn Klinikchef und Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege hat nur knapp einen Anschlag überlebt und wird ständig bedroht. Er appelliert unentwegt an die internationale Staatengemeinschaft, die Gewalt gegen Frauen im Kongo zu stoppen und die Täter zu bestrafen. Doch nur wenige werden verhaftet.

"Ich habe leitende Persönlichkeiten auf der ganzen Welt getroffen und ihnen berichtet", sagte Mukwege dem SWR. "Sie schienen auch wirklich menschlich betroffen zu sein, aber daraus gefolgt ist nichts, der Krieg geht weiter."

"Es ist die Gier nach Reichtum, nach mehr und mehr Profit, auf dem Rücken der Schwachen“.

Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege

Unterstützung durch Tübinger Ärztin

Mukwege wird in seinem Kampf für Frieden von Gisela Schneider unterstützt. Sie ist Leiterin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission in Tübingen und reist regelmäßig in die Kriegs- und Krisenregion. Sie baut gemeinsam mit einer kleinen kongolesischen Hilfsorganisation ein Krankenversicherungssystem auf, damit auch Arme zum Arzt gehen können.

Doch die Situation ist schwierig. In den letzten Monaten flüchteten allein in der Provinz Ituri, die reich an Gold, Coltan und Erdöl ist, Hunderttausende vor bewaffneten Gruppen. Die Lage der Flüchtlinge ist schockierend. Es droht eine Hungersnot. Viele haben keine Unterstützung und sterben in den Wäldern.

Ein Ende des Konflikts scheint nicht in Sicht. "Wie oft soll ich denn noch sagen, dies ist kein Krieg zwischen Nationen, kein Krieg zwischen verschiedenen Ethnien oder Stämmen, und auch kein Religionskrieg", sagt Mukwege. Hier ginge es um die Kontrolle und Ausbeutung der Bodenschätze. Dieser Krieg könne enden, wenn der politische Wille dazu vorhanden wäre, so der Arzt.

Einsatz für Vergewaltigungsopfer

Gewalt gegen Frauen im Kongo

Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege ist Chirurg  (Foto: SWR, Susanne Babila)
Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege ist Chirurg und Klinikchef des Hospitals Panzi. Mukwege eine Kapazität in der Operation von Fisteln im Unterleib. Vergewaltigungsopfer sind häufig inkontinent und müssen mehrere Operationen überstehen. Susanne Babila Bild in Detailansicht öffnen
Hunderttausende Kongolesen sind in der Provinz Ituri auf der Flucht. In der Flüchtlingsstadt Bunia leben rund 16.000 Menschen, viele seit über einem Jahr. "Mörderbanden“ betrieben ein "tödliches Geschäft" und destabilisierten die Provinz bewusst von Ruanda und Uganda aus, berichtete Pastor Jean-Pierre Kokole dem Christlichen Medienmagazin pro. Susanne Babila Bild in Detailansicht öffnen
Seit vielen Jahren unterstützt die Tübinger Missionsärztin Gisela Schneider den Kampf Mukweges gegen sexualisierte Gewalt im Kongo. Die beiden verbindet eine jahrelange Freundschaft und der tiefe Glaube an Gott. Schneider leitet das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (Difäm) und lädt Mukwege immer wieder nach Deutschland ein, um Vorträge über die Situation im Kongo zu halten. Susanne Babila Bild in Detailansicht öffnen
Viele Kongolesen können sich medizinische Versorgung nicht leisten. Durch ein Krankenversicherungssystem will Gisela Schneider der armen Bevölkerung den Zugang zu medizinischer Behandlung gewährleisten. Susanne Babila Bild in Detailansicht öffnen
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