US-Präsident Donald Trump bei einer Rede (Foto: picture-alliance / dpa)

Politologe zu Paketbomben kurz vor "Midterm"-Wahlen "Trumps Rhetorik kann Feindbilder kreieren"

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Mindestens acht Pakete mit Sprengsätzen hat das FBI in den USA abgefangen - fast alle an politische Gegner des US-Präsidenten adressiert. Trumps Wortwahl könnte solche Taten forcieren, vermutet ein Politologe.

Sehr bewusster Sprachgebrauch

Martin Thunert ist Professor am "Heidelberg Center vor American Studies" der Uni Heidelberg. Er glaubt, dass sich US-Präsident Donald Trump der Wirkung seiner Worte auf seine Anhänger sehr bewusst ist. Er wisse, dass er mit seinen Worten enorm mobilisieren und Feindbilder kreieren könne.

Ob Trump sich Gedanken darüber macht, dass das auch falsche Signale gegenüber seinen politischen Gegnern aussenden könnte, ist sich Thunert nicht sicher. "Aber er nimmt es zumindest billigend in Kauf."

Verrohung auf allen Seiten

Der US-Präsident befeuere die Verrohung der Sprache. Thunert verweist auf eine Aussage des Präsidenten nach einem Angriff eines Kongressabgeordneten in Montana auf einen Reporter des britischen "Guardian". "Danach hat Trump gesagt: 'Das ist mein Mann. So muss man auch mal mit so feindseligen Medien umgehen.'" Den harten Umgang mit politischen Gegnern finde Trump durchaus richtig, erläutert Thunert.

Auf der anderen Seite sei aber auch ein führender Kongressabgeordneter der Republikaner von einem vermutlich eher links orientierten Täter beschossen und schwer verletzt worden. "Das ist nicht nur auf der einen Seite so, aber Trump ist sicherlich jemand, der diese Verrohung des Diskurses nicht stoppt."

"Mit Sprache gewinnt man Wahlen"

Der Heidelberger Politologe sieht kein Ende dieser sprachlichen Eskalationsspirale, so lange es politisch nutze und es dazu führe, die eigenen Wähler zu mobilisieren. "In den USA gewinnt man Wahlen, nicht indem man Leute auf seine Seite zieht, sondern indem man die eigenen Leute an die Wahlurnen treibt und die Wahlbeteiligung erhöht."

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