Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren "Eine Hölle, die wir uns heute nicht mehr vorstellen können"

Rund 70 Staats- und Regierungschefs haben in Paris gemeinsam an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnert. Der Gedenkakt soll ein Symbol für das gemeinsame Erinnern aller Nationen sein, deren Bürger im Ersten Weltkrieg gefallen sind.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron traf bei strömendem Regen an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. Gemeinsam nahmen sie unter dem Triumphbogen von Paris Platz. Nebeneinander - die Vertreter der beiden Länder, die vor 100 Jahren und danach noch einmal so verbittert und blutig gegeneinander gekämpft haben.

"Träume ich? Ist es wahr, dass ein Waffenstillstand mit Deutschland beschlossen ist?", las ein Schüler aus einem Frontbrief eines französischen Soldaten. Dazu klangen Geigen und Violinen die Champs-Élysées herab, die aus Sicherheitsgründen quasi vollständig geräumt waren.

Dauer

Gedenken an die zehn Millionen Kriegstote

Um kurz vor 12 Uhr ergriff Macron das Wort. "Vor 100 Jahren besiegelte der Waffenstillstand das Ende des Tötens. Die Soldaten haben eine Hölle erlebt, die wir uns heute nicht mehr vorstellen können", erinnerte er die Staatsmänner und -frauen - auch als Mahnung, dass so etwas nie wieder passieren dürfe.

Danach entzündete Macron symbolisch die Ewige Flamme unter dem Pariser Triumphbogen, um an die rund zehn Millionen Kriegstoten zu erinnern. Das Feuer war 1923 zum ersten Mal entzündet worden und gehört zu einem Grabmal, in dem 1921 der Leichnam eines nicht identifizierten Gefallenen bestattet wurde.

Ein Zeichen der Aussöhnung in Compiègne

Bereits am Samstag erinnerten Merkel und Macron im französischen Compiègne gemeinsam an das Ende des Ersten Weltkriegs und enthüllten zwei neue Gedenktafeln. Es war das erste Mal, dass ein deutscher Regierungschef das Mahnmal in Compiègne besucht hat - auf ausdrücklichen Wunsch von Macron. Bei der Gedenkveranstaltung gab es keine großen Reden, sondern Momente voller Schweigen, Emotion und Symbolik.

"Es ist Frieden, weil wir es wollen, weil Deutschland und Frankreich Frieden wollen", sagte Macron. Merkel sagte, der Tag sei "nicht nur Mahnung sondern auch Ansporn". Heute sei der Wille da, "alles zu tun, um eine friedlichere Ordnung auf der Welt zu schaffen, auch wenn wir wissen, dass noch sehr, sehr viel Arbeit vor uns liegt."

Was haben wir aus der Geschichte gelernt?

"Es ist wichtig, dass Staatschefs überhaupt miteinander reden, denn wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass die Kommunikation selber sehr aggressiv geworden ist", sagt Andreas Zick, Leiter des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Uni Bielefeld. "Insofern ist da die Hoffnung, dass dieser symbolische Akt mehr ist als eine Erinnerung an den Frieden, sondern auch eine Verantwortung für die Zukunft", so Zick im SWR.

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