Polizisten (Foto: Imago, Imago)

Nach Attacken auf Moscheen in Neuseeland Polizei vermutet rechtsextremen Hintergrund

Bei Angriffen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch sind mehrere Menschen getötet worden. Ein mutmaßlich rechtsextremer Australier ist derzeit der Hauptverdächtige. Die Tat wurde als Terrorakt eingestuft.

Die Polizei bestätigte, dass mindestens 49 Menschen bei den Attacken getötet wurden. Weitere 48 Personen wurden mit Schusswunden in Krankenhäuser gebracht.

Die Polizei nahm insgesamt vier Verdächtige fest: drei Männer und eine Frau. Eine Person wurde inzwischen wieder freigelassen. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden an mehreren Autos Sprengsätze entdeckt. Hauptverdächtiger sei ein 28 Jahre alter mutmaßlich rechtsradikaler Australier.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern stuft die Tat als Terrorakt ein. "Es ist klar, dass dies nur als terroristische Attacke beschrieben werden kann", sagte sie.

Augenzeugen: Mann schoss mit Schnellfeuerwaffe

Nach Augenzeugenberichten begann das Drama gegen 13:45 Uhr (Ortszeit). Ein bewaffneter Mann drang in die Al Noor Moschee in der Innenstadt ein, wo sich zur Mittagsstunde mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten. Dort schoss er mit einer Schnellfeuerwaffe um sich. Zeugen zufolge handelt es sich bei dem Täter um einen weißen Mann, der Helm und kugelsichere Weste trug. Später fielen auch in einer Moschee im Vorort Linwood Schüsse.

Einer der Tatorte: Masjid Al Noor Moschee in Christchurch (Foto: Imago, Imago)
Einer der Tatorte: Masjid Al Noor Moschee in Christchurch Imago Imago

Premierministerin: Neuseelands "dunkelste Stunde"

Für den Pazifikstaat ist der brutale Angriff eine der schlimmsten Gewalttaten der jüngeren Geschichte. Premierministerin Ardern sprach von einer von Neuseelands "dunkelsten Stunden". Aus Sorge vor weiteren Attacken riegelte die Polizei Schulen und andere öffentliche Gebäude stundenlang ab.

Neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern (Foto: Reuters)
Neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern Reuters

Bürgermeisterin: "Alle sind geschockt"

Premierministerin Ardern sagte, für solche Taten gebe es "keinen Platz in Neuseeland". Zugleich sprach sie den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. "Neuseeland ist deren Heimat. Sie hätten sich hier sicher fühlen sollen."

Die Polizei appellierte an alle Muslime, zuhause zu bleiben. "Unter keinen Umständen sollte irgendjemand im Land jetzt zu einer Moschee gehen." Christchurchs Bürgermeisterin Lianne Dalziel sagte: "Alle sind geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann."

Angebliches Täter-Video

Im Internet kursieret ein angebliches Video der Tat und verschiedene Botschaften, die ebenfalls von einem Täter stammen sollen. Der Mann behauptet, ein 28 Jahre alter Australier zu sein. Zuverlässig überprüfen ließ sich das zunächst nicht.

Kondolenzschreiben des Bundespräsidenten

Zahlreiche Regierungen und religiöse Führer verurteilen die Taten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb:

"Deutschland trauert mit Ihnen. Wir wünschen Ihrem Land die Kraft, sich in dieser schweren Stunde seine Offenheit und Zuversicht zu bewahren"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Steinmeier habe Neuseeland und seine Menschen bei einem Besuch im Jahr 2017 als außergewöhnlich weltoffen und gastfreundlich erlebt. "Umso schwerer ist mein Herz in dieser dunklen Stunde Ihrer Nation", schrieb Steinmeier.

Weltweite Trauer um Opfer

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte die Tat in einem Brief an Neusseelands Premierministerin Ardern einen "perfiden Angriff auf Betende und ihre Gotteshäuder".

Außenminister Heiko Maas sprach in einem Tweet von einem "Angriff auf uns alle".

The vicious terrorist attack in #Christchurch targeted peaceful Muslims at prayer. When people are murdered solely because of their religion, this is an attack on us all. We stand united with the victims. Stay strong, New Zealand! https://t.co/bEub6aY6L5

Der Vorsitzende des Zentralsrats der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek, sagte: "Wir beten für die Opfer, trauern um sie und sind in Gedanken in diesen schweren Stunden bei den Angehörigen und Hinterbliebenen."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte alle Formen des Extremismus. Frankreich gehe mit seinen Partner gegen den Terrorismus in der Welt vor, sagte er.

Die britische Königin Elizabeth II. danke Rettungskräften und Freiwilligen, die sich um Verletzte gekümmert haben.

"Jede Form von Intoleranz, Hass und Gewalt ist inakzeptabel", twitterte der italienische Regierungschef Giuseppe Conte:

Sgomento per quanto accaduto in Nuova Zelanda. Il mio cordoglio per le vittime e il mio partecipe pensiero ai feriti dei vili attacchi di #Christchurch. Persone inermi colpite mentre erano in un luogo di preghiera. È inaccettabile qualunque forma di intolleranza, odio e violenza

US-Präsident Donald Trump sprach den Menschen in Neuseeland sein Beileid aus. Die USA stünden an der Seite Neuseelands, twitterte er:

My warmest sympathy and best wishes goes out to the people of New Zealand after the horrible massacre in the Mosques. 49 innocent people have so senselessly died, with so many more seriously injured. The U.S. stands by New Zealand for anything we can do. God bless all!

Russlands Pärsident Wladimir Putin lies über den Kreml mitteilen, dass der Angriff auf friedliche Bürger, die sich zum Gebet versammelt haben, in seiner Grausamkeit und in seinem Zynismus erschüttere.

REDAKTION
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