Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schaut einen Organspendeausweis an (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Tag der Organspende Lange Warteliste für Spenderorgane

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) warten in Deutschland rund 10.000 Patienten auf ein Spenderorgan. Täglich sterben demnach statistisch gesehen drei Kranke, weil für sie nicht rechtzeitig ein passendes Organ verfügbar ist.

Ein Riss geht durchs Parlament, und zwar bei der Frage: Muss ein Mensch entschieden "Nein" zur Organspende sagen oder soll er bewusst "Ja" sagen? Wie so oft bei ethischen Entscheidungen finden sich dann Parlamentarier zusammen, die sonst eher wenig miteinander zu tun haben.

Organspender ist nur, wer ausdrücklich "Ja" sagt - einen Gesetzentwurf mit diesem Tenor hat eine bunt gemischte Runde mit Vertretern aus CDU/CSU, FDP, SPD, Grünen und Linken-Parteichefin Katja Kipping geschrieben.

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Spahn will eine "Widerspruchslösung"

Jens Spahn, der CDU-Gesundheitsminister, wehrt sich gegen den Vorwurf, er und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach würden die Menschen zur Organspende zwingen. Die beiden und viele andere Bundestagsabgeordnete mehrerer Fraktionen wollen ein Gesetz mit der Überschrift "Widerspruchslösung" auf den Weg bringen, wonach erst einmal jeder Mann und jede Frau in Deutschland Organspender ist - außer man widerspricht.

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Spahn argumentiert, die Kampagnen der vergangenen Jahre hätten nicht geholfen - im Gegenteil. Die Zahl der Spender sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Erst 2018 stieg sie wieder etwas an. In Umfragen geben vier von fünf Menschen an, sie würden ein Organ spenden, einen Ausweis hat aktuell aber nur jeder Dritte.

Behörden sollen Bürger für Registrierung motivieren

Deswegen müssten die Menschen besser informiert werden, argumentiert die Gruppe mit dem Alternativvorschlag. Sei es der Hausarzt oder die Mitarbeiterin beim Bürgeramt: Bei Behörden und in Arztpraxen sollen Menschen in sensiblen Gesprächen ermuntert werden, sich in einem Onlineregister einzutragen.

Nicht praktikabel, sagt SPD-Politiker Karl Lauterbach:

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Entscheidung soll nicht endgültig sein

Deswegen solle das Amt ja mehrmals nachfragen, genauso wie der Hausarzt, argumentiert die Gruppe um Katja Kipping, Grünen-Chefin Annalena Baerbock und der SPD-Abgeordneten Hilde Mattheis. Zugang zu dem Onlineregister hätte jeder Bürger persönlich mit PIN und TAN. So könne man seine Meinung auch problemlos ändern, wenn man beispielsweise Jahre später nicht mehr oder nicht mehr alle Organe spenden möchte. Es müsse eben viele Wege geben, so Mattheis:

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Im Herbst will sich der Bundestag mit beiden Gesetzentwürfen befassen. Stand heute gibt es 9.400 Menschen, die auf ein Spenderorgan warten.

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