Bachblüthen-Therapie und Kondensstreifen (Foto: picture-alliance / dpa)

Psychologie-Studie Uni Mainz Verschwörungstheoretiker glauben eher an Homöopathie

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Wer glaubt, dass Kondensstreifen von Flugzeugen eigentlich Chemikalien sind oder den Klimawandel leugnet, vertraut eher auf die Wirkung von Globuli und Bachblüten. Das wollen Wissenschaftler der Uni Mainz herausgefunden haben.

Alternative Heilverfahren sind beliebt - und zwar gerade in hochentwickelten Industrieländern wie Deutschland. Laut der Mainzer Studie verlässt sich jeder zehnte Patient hierzulande regelmäßig auf homöopathische Mittel. Einige vertrauen dabei trotzdem auch noch der Schulmedizin, andere dagegen lassen sich ausschließlich mit alternativen Methoden behandeln.

Psychologen der Uni Mainz haben untersucht, ob Skepsis gegenüber der Schulmedizin mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängt. Die Ergebnisse der im Fachblatt "Social Psychology" veröffentlichten Studie sind eindeutig: Wer an Verschwörungstheorien glaubt, geht lieber zum Heilpraktiker.

Menschen, die sich machtlos fühlen, neigen zu Verschwörungstheorien

Verschwörungstheoretiker sind laut der Studie erfüllt von tiefem Misstrauen gegenüber Institutionen: Sie glauben zum Beispiel, dass die NASA die Mondlandung nur vorgetäuscht hat, leugnen den Klimawandel und sehen überall verborgene Mächte am Werk. Wer anfällig ist für solche Thesen, besitzt eine sogenannte "Verschwörungsmentalität" - unter Psychologen gilt dies als stabiles Persönlichkeitsmerkmal. Vor allem Menschen, die sich selbst oft als machtlos erleben, neigen zu Verschwörungstheorien.

Das wirkt sich verblüffend deutlich auf ihr Verhalten in puncto Gesundheit aus. Bei der Befragung von knapp 600 Freiwilligen in Deutschland und den USA zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Menschen mit Verschwörungsmentalität ziehen alternative Heilmethoden vor. Sie nutzen zum Beispiel deutlich eher Bachblüten und Globuli als Antibiotika.

Misstrauen gegenüber Pharamkonzernen

Die Mainzer Psychologen fragten insgesamt nach 37 verschiedenen Heilverfahren und sehen vor allem bei den deutschen Probanden einen „unglaublich starken Zusammenhang“. Bei den befragten Amerikanern wirkte sich die Verschwörungsmentalität dagegen etwas weniger auf Gesundheitsentscheidungen aus.

Die Forscher konnten ihre Beobachtung noch in einer weiteren Studie untermauern: Hier sollten die Teilnehmer über die Zulassung eines fiktiven pflanzlichen Medikaments entscheiden. Probanden mit ausgeprägter Verschwörungsmentalität hielten das erfundene Mittel für sicherer und wirksamer, wenn es von einer Patientengruppe entwickelt worden war und nicht von einem Pharmakonzern.

Was heißt das für den klinischen Alltag?

Ärzte müssen bei Patienten mit Verschwörungsmentalität wohl noch genauer hinhören und viel Geduld mitbringen. Den Mainzer Psychologen zufolge lassen sich solche Patienten eher auf der Gefühlsebene als mit rationalen Argumenten überzuegen; auch das erfordere ein Umdenken.

Gleichzeitig warnt die Studie davor, sämtliche Anhänger der Alternativmedizin zu stigmatisieren: aus einer Vorliebe für Globuli lässt sich keinesfalls automatisch eine Verschwörungsmentalität ableiten.

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