Franziska Gabbert (Foto: picture-alliance / dpa)

Kritik an Stickoxid-Grenzwerten und Diesel-Fahrverboten Lungenspezialist: "Raucher müssten tot umfallen"

Immer mehr deutsche Großstädte müssen Diesel-Fahrzeuge aussperren, um die Luft sauberer zu machen. Ein Lungenspezialist bestreitet, dass Stickoxid ab dem Grenzwert gefährlich ist.

Professor Dieter Köhler ist Lungenspezialist und der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Lungenheilkunde. Er sagt, dass Studien zu Stickstoffdioxid (NO2 oder Stickoxid) falsch interpretiert worden seien.

Welche Effekte stellen sich ein, wenn nur ein paar Straßen für Diesel-Fahrzeuge gesperrt werden?

Im Prinzip ist es völlig egal, was man mit diesen NO2-Werten in diesem Grenzbereich macht. Es ist nun mal ein Verwaltungsgerichtsurteil da, weswegen die einzelnen Regionen reagieren müssen. Und die sagen, wenn dieser Grenzwert überschritten ist, müssen wir Fahrverbote verhängen. Das hat natürlich zur Folge, dass die Autos längere Umwege fahren und mehr CO2 produzieren.

Das eigentliche Problem ist aber ein ganz anderes: Stickoxide in diesen Grenzwerten sind überhaupt nicht gefährlich. Wir reden von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter, das ist der Grenzwert. Ein Raucher beispielsweise erreicht über 200.000 Mikrogramm pro Kubikmeter, wenn er eine Zigarette raucht - und er fällt ja nicht tot um.

Das Problem ist, dass die Studien, die zu diesen Grenzwerten geführt haben, miserabel interpretiert worden sind. Diese Daten kann man daraus nicht ableiten und das kann man durch die Raucher widerlegen. Würde man das hochrechnen, mit diesen so genannten 6.000 Toten beim NO2, da müssten die Raucher alle nach wenigen Monaten tot umfallen, was ja nicht passiert.

Dieter Köhler (Foto: privat)
Lungenspezialist Prof. Dieter Köhler privat

Auf den Straßenverkehr übertragen bräuchten wir also überhaupt keine Fahrverbote für alte Dieselfahrzeuge, die zu viel Stickoxid ausstoßen?

So ist es. Diese Grenzwerte in diesem Bereich sind völlig ungefährlich. Das macht gar nichts. Bedenken Sie: Der Arbeitsplatzgrenzwert in Deutschland liegt bei 950 Mikrogramm, in der Schweiz sogar bei 6.000 Mikrogramm. Und wie gesagt, die Raucher liegen über 100.000. Also, das ist alles Unsinn.

Das Umweltbundesamt spricht von 800.000 Neuerkrankungen als Folge des NO2-Ausstoßes. Irren sich die Beamten?

Ja. Das Umweltbundesamt hat eine Studie durchgeführt und Stadt mit dem Land verglichen. Man hat gesehen, dass die Leute auf dem Land etwas länger leben und hat das mit Stickoxid in Verbindung gesetzt. Es gibt aber tausend Gründe, warum die Leute auf dem Land länger leben. Die machen mehr Sport, rauchen weniger etc. In diesen Fragebögen kann man die zusätzlichen Einflussfaktoren in dieser Form gar nicht erfassen, und diese Studien haben schwere methodische Fehler. Das wird auch wiederholt gesagt und ich habe das auch selbst wiederholt geschrieben.

Ich möchte trotzdem noch mal auf die Raucher zurückkommen. Das heißt aber dann doch im Umkehrschluss nicht, dass der Verkehr von Dieselfahrzeugen, also der Ausstoß von Stickstoffdioxid total ungefährlich ist, oder?

In diesen Konzentrationen ist es total ungefährlich. Es fängt bei Dosen von 800.000 bis 900.000 Mikrogramm an, ab denen unbehandelte Asthmatiker vielleicht etwas reagieren. Aber Todesfälle gibt es dadurch in keinem Falle.

Wenn Sie zu Hause einen Adventskranz anzünden, liegen Sie schon über 200.000 Mikrogramm Stickoxide. Das Stickoxid verursacht im Bronchialschleim eine leichte Ansäuerung - und die hat man bei tausend anderen Sachen auch. Wenn Sie Kochsalzlösung inhalieren, haben sie eine solche Ansäuerung durch gelöste Kohlensäure und Ähnliches.

Es gibt auch keine experimentelle Datenlage, die darauf hinweist, dass das überhaupt gefährlich sein kann. In diesen Konzentrationen definitiv nicht.

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